Singen, Klatschen, Tanzen, Trommeln – Musizieren als Teil der Entwicklungsförderung

Kinder mit Instrumenten in der Hand musizieren gemeinsam in der Natur.

Kennst du das: im Raum ertönt ein Instrument und plötzlich ist die gesamte Aufmerksamkeit der Kinder bei diesem Klang. Es wird gelauscht, geschaut, entdeckt und die Augen werden voller Neugier aufgerissen. Kaum ein anderes Medium aktiviert gleichzeitig so viele Sinne wie Musik. Umso bewusster sollten wir uns darüber werden, sie als Möglichkeit zur Förderung von Entwicklung, Heranwachsen und Sozialisation zu sehen. Wenn wir es schaffen, nur ein klein wenig mehr Musik in den Alltag des Kindes einzubauen, so ist schon viel getan. Denn Musik verbindet miteinander, Musik lässt uns erfreuen und ist Entwicklungsstütze in allen Bereichen. Auch für die Sprachentwicklung lässt sich das sagen! Musik und Sprache haben viel mehr Gemeinsamkeiten, als Unterschiede – beide verfügen über einen bestimmten Rhythmus, über Tonhöhen, Melodie und aber auch über Pausen. Lerninhalte können durch Lieder vermittelt werden, der Wortschatz kann dadurch ganz spielerisch und motivierend aufgebaut werden und, wie könnte es anders sein, können Instrumente auf vielfältige Weise die auditive Wahrnehmung fördern. Auf allen Ebenen, die die Sprachentwicklung betreffen, lassen sich musikalische Elemente einbauen und sind ein riesiger Schatz, den wir noch öfter aus der Schatzkiste hervor kramen dürfen! Welche Bereiche gemeinsames Musizieren und musikalische Angebote nun ganz genau fördern, beschreibt heute Rike von den „TONLINGEN“. Sie ist Musiktherapeutin und beschäftigt sich in ihrer Arbeit damit, wie Musik zu einem leichteren Familienalltag verhelfen kann.

 

Nala, dreieinhalb Jahre alt, sitzt am Küchenboden – um sich herum Töpfe, Pfannen und Kochlöffel, die als Schlagzeug herhalten dürfen. Ihr einjähriger Bruder Hannes krabbelt über die Fliesen, quietscht vor Freude und lässt mit seiner Hand die „Trommeln“ erklingen.

 

Wir brauchen nicht die „klassische“ musikalische Früherziehung, eine perfekt geschulte Stimme oder eine Ausbildung, um mit unseren Kindern ins Musizieren zu kommen. Wir brauchen lediglich etwas Kreativität und die Lust, es einfach auszuprobieren.

 

 

Warum aber Musik?

 

 

Musik kann mehr als „nur“ Spaß machen. Sie fördert die Bindung zwischen Eltern und Kind, sie trägt zur Persönlichkeitsentwicklung und zu sozialen Verhaltensweisen bei, unterstützt u.a. die Sprachentwicklung, Motorik und Merkfähigkeit und hilft unseren Kindern bei der emotionalen Verarbeitung. Musik bringt Kinder zur Ruhe oder kann sie aktivieren und hilft gegen Langeweile.

 

Bindung: Das erste, was Babys im Mutterleib von außen wahrnehmen können, geschieht über die Ohren. Das heißt: Stimmen und natürlich auch Musik. Sie können Lieder, die ihnen im Mutterleib vorgespielt oder -gesungen werden, sogar noch nach mehrmonatiger Pause eindeutig wiedererkennen. Die Musik hilft uns an dieser Stelle einen Wiederkennungswert zu schaffen. Dadurch Geborgenheit zu kreieren. Oxytocin wird ausgeschüttet. Das Kuschel- und Bindungshormon. Das schafft zum einen Ruhe beim Kind – aber auch eine stärkere Bindung. Besonders stark wirkt es, wenn du selbst singst. Dann wird auch bei dir als Mama oder Papa ein Oxytocin-Rausch ausgelöst. Sing also am besten schon in den ersten Schwangerschaftsmonaten für dein Baby. Lass es Musik mithören und lass den werdenden Papa auf deinen dicker werdenden Bauch summen und brummen. Dein Baby wird all diese Geräusche wiedererkennen. Und diese Geräusche helfen dann auch beim Einschlafen und Beruhigen.

 

Soziale Verhaltensweisen: Kinder, die in Musikklassen in Grundschulen gehen zeigen allgemeiner sozialere Verhaltensweisen als Kinder, die ohne die zusätzlichen Musikstunden in die Grundschule gehen. Das zeigte zumindest eine Studie an Berliner Grundschulen. Das ist auch kein Wunder. Denn beim gemeinsamen Musizieren erlernen Kinder viele soziale Verhaltensweisen und Skills, wie etwa aufeinander hören, gleichzeitig einsetzen oder abwarten bis man selbst an der Reihe ist. Außerdem stärkt das Muszieren die Gemeinschaft. In den Berliner Musikklassen gab es keine Außenseiter-Kinder. Für diese Fähigkeiten müssen wir unsere Kinder aber nicht zwingend in ein Orchester schicken. Zuhause ein paar Musikspiele zu machen ist schon mal ein guter Anfang. Dann steigt das Interesse an Musik und auch das Interesse daran, ein Instrument lernen zu wollen. Und das Orchester oder der Chor kommen ganz von selbst.

 


 

Ideen für Musikspiele findest du übrigens auf Rikes Homepage!

HIER GEHT’S ZU DEN MUSIKSPIELEN

 

Neben der sprachlichen Entwicklung, für die es ganz vielseitige Lieder gibt, hilft Kindern die Musik, um motorische Elemente mit Sprache zu verbinden. Typische Lieder, die du bestimmt selbst noch aus deiner Kindheit kennst sind: „Mein Hut, der hat drei Ecken“ oder viele Fingerspiele („Meine Hände sind verschwunden“, „Himpelchen und Pimpelchen“ und viele mehr). Sie müssen nicht „nach Rezept“ eingesetzt werden, sondern können einfach gesungen werden, wenn euch der Sinn danach steht. Kinderlieder müssen auch nicht unbedingt laut und „quäkig“ sein. Mittlerweile gibt es viele „alternative Kinderliedermacher*innen, die tolle Lieder mit tollen Texten schreiben, die auch große Menschen sehr gerne hören. Schau doch dazu mal auf die TONLINGE Lieblingslieder Spotify-Playlist.

 

Ganz besonders und beeindruckend finde ich persönlich auch die emotionale Entwicklung von Kindern. Musik kann Kinder dabei unterstützen, sich emotional auszudrücken. Wut – wir alle kennen diese Emotion. Meist ist sie eher ungeliebt und man möchte sie eigentlich schnell wieder loswerden. Aber umso mehr wir sie wegschieben, umso mehr hält sie uns fest. Wut ist ein wunderbares Beispiel, wie wir Musik für die emotionale Verarbeitung nutzen können. Dein Kind ist also wütend – du begleitest es durch die Wut – und sagst ihm auch: ich sehe, dass du wütend bist. Emotional kommst du aber vielleicht nicht an dein Kind heran – denn wenn wir wütend sind, dann springen einfach andere Regionen in unserem Gehirn an. Dann können wir – selbst als Erwachsene – schwer an uns halten. Ein Kind hat die Entwicklung im Gehirn noch nicht abgeschlossen und kann daher die Wut noch nicht so verarbeiten, wie wir das als Erwachsene können. Musik kann uns da aber helfen: Vielleicht nutzt ihr ein Wutlied. Das ist ein Lied, welches Wut ausdrücken darf. Das kann ein Kinderlied sein – etwa „Häschen hüpf“ von Deine Freunde oder „Wo ist die Wut, wenn ich wütend bin“ von Fredrik Vahle. Natürlich gehen auch andere Lieder, welche die Wut ausdrücken – ganz so, wie sie eben zu deinem Kind oder euch als Familie passen. Das darf sehr individuell sein. Das Lied zeigt deinem Kind: die Wut darf da sein, sie darf ausgedrückt werden und bekommt damit ihren Platz. Dann kann sie wieder gehen. Nach und nach macht dein Kind vielleicht selbst sein Wutlied an und drückt damit aus: ich bin wütend! Und lernt damit die Wut zu verarbeiten. Gleiches gilt natürlich auch für andere Emotionen wie die Traurigkeit. Wut-Lieder findest du in der TONLINGE-Wutlieder Playlist auf Spotify. Hör doch mal rein!

 

 

 

Friederike Frenzel von den "Tonlingen" bietet Musikkurse für die ganze Familie
Friedrike von den “Tonlingen”

 

 

 

Schlussendlich …

 

 

 

…. finde ich, Musik sollte jeder Familie als tagtägliche Begleitung dienen. Einfach, um mehr Leichtigkeit in den Familienalltag zu bringen. Wenn du selbst nicht musikalisch geübt bist, dann kannst du dich inspirieren lassen. Beispielsweise von Kursen. So wie meine TONLINGE-Online-Kurse. Dort lernst du auch schöne Lieder kennen – für euren Familienalltag und habt einfach viel Spaß miteinander.

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