ELIAH – eine hilfreiche und strukturierte App zur unterstützten Kommunikation

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Für uns sprechende Menschen ist es nicht ansatzweise vorstellbar, wie es wäre, nicht mehr über unsere Lautsprache kommunizieren zu können. Während wir am Mittagstisch sitzen und uns über die Wochenendpläne austauschen fallen unglaublich viele Worte, die ganz selbstverständlich von unseren Lippen und unserer Zunge geformt werden. Wir denken nicht darüber nach, wie die Worte den Weg vom Gehirn zu unseren kleinsten Muskeln im Kopf-Hals-Bereich finden. Das tun wir so lange nicht, bis wir vielleicht irgendwann einmal mit Einschränkungen in diesem Bereich konfrontiert werden. Oder wenn wir als Sprachtherapeut tätig sind. Wie wichtig es ist, auch weiterhin mit anderen Menschen zu kommunizieren, Bedürfnisse auszudrücken und sich verbal zu äußern, wissen wir jedoch alle. Mittlerweile gibt es bereits einige technische Hilfsmittel, um Menschen mit Kommunikationsstörungen zu unterstützen – hierbei sprechen wir von unterstützter Kommunikation. Ich hatte während der letzten Wochen die Möglichkeit, eine dieser Kommunikationshilfen zu testen, die ganz neu auf dem Markt ist und nutze nun die Chance, euch auf meinem Blog einen kleinen, ganz persönlichen Einblick in die App ELIAH des Startups-Unternehmens um Tina Hillebrecht und Dennis Stritzke zu geben. Vorab: bisher hatte ich nie viel für diese Art von unterstützter Kommunikation übrig. Der Grund: mir waren viele Programme, die ich in der Arbeit mit sprachlich eingeschränkten Patienten kennenlernte, einfach zu unübersichtlich. Zu viele Icons, die nicht klar identifizierbar waren, zu viele Icons auf dem Menüfeld und eine Unterseite nach der nächsten. Das war schon für mich zu viel visuelles Durcheinander. Wie soll das dann für einen Patienten sein, der Hilfe und Unterstützung benötigt? Nun lernte ich ELIAH kennen und ließ mich ein auf ein neues „Abenteuer“ im Feld der unterstützten Kommunikation ein. Was soll ich sagen – ich bin durchaus positiv überrascht, dass ich eine App entdeckte, die übersichtlich, strukturiert und nützlich ist. Im Interview mit den Gründern, das ich vor zwei Wochen hier veröffentlichte, erfährst du alles, was du über die Kommunikationshilfe ELIAH wissen solltest. In meinem Blogbeitrag heute beschreibe ich dir nun meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke. [Werbung]

 

 

Gut strukturiert …

lässt es sich einfacher kommunizieren. Der Hauptbildschirm ist in vier Bereiche gegliedert, die für den Patienten während eines Klinikaufenthaltes wichtig sind – Pflege, Therapie, Visite und Besuch. Innerhalb dieser vier Felder findet sich der Patient dann in den deutlich gekennzeichneten Icons gut zurecht. Sinnvoll ist natürlich immer eine gute Einführung in das Programm, um eventuell unklare Icons gemeinsam zu besprechen und deren Bedeutung zu erkennen. Die jeweiligen Unterpunkte eines Bereiches (z.B. Therapie) sind nicht überladen, sondern beinhalten wirklich die wichtigsten Parameter, um eigene Bedürfnisse, Fragen und wichtige Kommunikationspunkte zu vermitteln.

 

Einfach anwendbar ….

,um dem Patienten eine gute und direkt anwendbare Möglichkeit zur Kommunikation zur Verfügung zu stellen. Der Anwender wird direkt zum Hauptbildschirm geführt, wenn er seinen Namen eingegeben hat und schon kann es losgehen. Der Umgang mit der iPad-App ist nicht schwer. Wenn man bedenkt, dass diese für den klinischen Gebrauch entwickelt wurde, so gehe ich davon aus, dass Pfleger und Therapeuten während des Aufenthaltes auch Unterstützung leisten können.

 

Wortschatz ist angepasst …

auf den Aufenthalt im Krankenhaus. Das erspart dem Nutzer eine Wirrwarr aus unzähligen Bildern und Icons, die zu viel Aufmerksamkeit und Energie ziehen. Hier sind wirklich nur die wichtigsten sprachlichen Einheiten in Bezug auf Wünsche, Fragen und Bedürfnisse im klinischen Setting aufgelistet.

 


 

Der Patient wählt sich aus den Icons den passenden aus, um seine Bedürfnisse auszudrücken. Anschließend spricht die Computerstimme für ihn.

 


 

 

Der Patient sollte …

aufmerksam sein und über ein ausreichend gutes Sehvermögen verfügen, als auch gute Leistungen im Bereich des Sprachverständnisses zeigen und in der Lage sein, motorisch gezielt mindestens einen Finger zu bewegen. Für mich macht es keinen Sinn, die App auf „Biegen und Brechen“ zu nutzen, denn der Patient sollte wirklich über eine ausreichende Vigilanz verfügen, um ihm die App auch als Hilfe anzubieten. Für jeden Patient sollte individuell entschieden werden, ob eine Kommunikationshilfe sinnvoll ist. Dafür können Logopäden und Ergotherapeuten beratend zur Seite stehen.

 

Stimme …

lässt sich auf weiblich oder männlich konfigurieren. Dafür wird zu Beginn einfach die passende Auswahl getroffen. Wenn wir ehrlich sind, ist es schon eine gewöhnungsbedürftige Situation, dass eine Computerstimme für uns spricht. Vielleicht ist dieser Fakt für jüngere Patienten keine große Sache, da schon viele von uns mit dem Thema Digitalisierung vertraut sind. Gerade älteren Patienten ist jedoch der Umgang mit neuen Medien und Programmen nicht ganz so geläufig. Und natürlich ist der Wunsch, selbst verbal in Kommunikation zu treten viel größer, als via eines iPads zu sprechen. Die Möglichkeit, sich zwischen einer Frauen- und Männerstimme entscheiden zu können, ist großartig.

 

Eine App für viele Patienten ….

die sich in einer Klinik befinden und jedoch ganz unterschiedliche krankheitsbedingte Symptome aufzeigen. Unter anderem sind Zielgruppen von ELIAH Patienten nach einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Erkrankungen des Nervensystems oder auch beatmete Patienten. Die Kommunikationshilfe lässt sich also vielseitig verwenden. Hierbei muss natürlich auch ganz dringend auf die Hygiene geachtet werden. Denn wenn das iPad durch viele Hände geht, ist eine sorgfältige Hände- und Gerätedesinfektion natürlich enorm wichtig.

 

Bisher gibt es nur eine iOS – Version …

und damit lässt sich ELIAH nur auf dem iPad installieren. Ob es bald auch eine Android-Version geben wird, steht noch nicht ganz sicher fest, so Tina Hillebrecht (Gründerin ELIAH). Wer aber nichts verpassen will, sollte sich unbedingt in den Newsletter von ELIAH eintragen. Dort wird es neue Informationen zur App geben und du bekommst gleich als Erste/r Bescheid, wenn es die Kommunikationsapp auch für Android-Geräte geben sollte.

 

Nicht nur in der Klinik …

lässt sich ELIAH anwenden, wie ich finde. Wie du weiter oben bereits gelesen hast, wurde die App für klinische Zwecke entwickelt und findet natürlich auch genau dort den Hauptschwerpunkt des Einsatzes. Schließlich ist der Wortschatz auch auf den Klinikaufenthalt konfiguriert und die vier Hauptpunkte beziehen sich auf klinische Kommunikationssituationen. Doch ich finde, dass auch Patienten außerhalb der Klinik von der App profitieren können. Gerade auch in Pflegeheimen, aber auch in der häuslichen Intensivpflege könnte darüber nachgedacht werden.

 

Alles in allem …

bin ich tatsächlich positiv überrascht. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit iconüberladenen Kommunikationshilfen, tausenden Schaltflächen und Unterpunkten habe ich mit ELIAH eine App gefunden, die wirklich durch Struktur und Übersicht überzeugt und im Sinne des spracheingeschränkten Patientens entwickelt wurde.

 

 

ELIAH Team: Logopädin Tina Hillebrecht und Softwareentwickler Dennis Stritzke
ELIAH Team: Logopädin Tina Hillebrecht und Softwareentwickler Dennis Stritzke

 

 


Wenn du mehr über ELIAH erfahren willst, dann schau gern mal in meinem Interview mit Tina und Dennis vorbei, das ich vor zwei Wochen online gestellt habe. Außerdem kannst du mir deine Fragen zur App stellen. Heißer Tipp für dich: bis zum 31. Juli 2020 können Kliniken ELIAH kostenlos testen.


 

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