Lotta, die kleine Fee

Lotta, die kleine Fee
Lottas Reise durch den Feenwald

 

Lotta, die kleine Fee, liebt es im Wald umherzufliegen. Jede freie Minute ihres aufregenden Tages nutzt sie, um zwischen Bäumen und Sträuchern, Moos und Geäst, Baumspitzen und herabfallenden Blättern zu verbringen, denn genau dort ist sie am liebsten. An manchen Nachmittagen trifft sie andere Feen und Elfen, die mit ihren wunderschönen Kleidern und einem glänzenden Augenaufschlag freundlich winken. Lotta summt und fliegt auch heute mehr als glücklich durch ihren Lieblingswald. Sie ist eine kleine Fee. Ein zartes Gesicht und feine helle Haare schmücken sie, ihre zerbrechlichen Flügel sind durchsichtig und mit einem Hauch des allerschönsten Glitzers bemalt. Ihr Kleid ist grün und immer, wenn sie durch die Wälder fliegt, flattert es ganz wunderbar im Wind. Sogar die scheuen Rehe und Füchse, die langsamen Schnecken und die allerkleinsten Ameisen kommen aus ihren Verstecken hervor, um die liebe Fee zu begrüßen und ihr einen schönen Tag zu wünschen. Vor ihr haben sie keine Angst, denn Lotta ist eine tolle Freundin, die auf den Zauberwald aufpasst, wann immer es geht. Lotta weiß zwar schon ganz viel über den Wald, die Natur und die Lebewesen, aber sie ist sehr wissbegierig und möchte noch viel mehr erfahren. Also macht sie sich auf den Weg und sucht sich heute eine andere Strecke aus. Im Wald gibt es viele Schilder für Feen und Elfen, damit sie sich nicht verfliegen und immer wieder zurückfinden, wenn sie sich mal verirren. Das kommt nicht selten vor, denn alle Waldfeen lachen gern, schauen sich um, fliegen in die unendlich vielen Ecken, Löcher und Buchten eines Waldes und vergessen dabei manchmal die Zeit und Richtung. Dann kann es schon einmal passieren, dass es plötzlich dunkel im Wald wird. Die Schilder, die nur die Feen im Dunkeln sehen können, leuchten ihnen dann den Weg zurück. Lotta fliegt heute über einem Weg entlang, den noch keine andere Fee bisher entdeckt hat. Es ist nur ein schmaler Weg, aber Lotta findet sich gut zurecht und ist sehr neugierig, wen sie heute treffen wird. Es dauert nicht lange, bis ihr ein lustiger, blauer Geselle entgegengehüpft kommt. „Huch. Wo kommst du denn plötzlich her? Ich habe dich auf dem Weg gar nicht gesehen.“, entgegnet Lotta ihm mit hastiger Atmung. „Hallo Lotta. Ich bin ein Wassertropfen und kam vom Himmel herab. Du konntest mich nicht sehen, denn ich bin ganz klein und lande erst nach einiger Zeit auf der Erde. Und manchmal, da sind viele andere Tropfen mit mir unterwegs. Sie gehören alle zu meiner Familie und zu meinen Freunden. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Pflanzen wachsen können, die Feen genügend zu trinken haben und die Kinder im Sommer im Meer baden können. Gemeinsam sind wir das Wasser.“ Beeindruckt lächelt die kleine Fee den Tropfen an und fragt ihn, ob er sie ein Stück begleiten will. Und weil sich die Freunde des Regentropfens so sehr für ihn freuen, fallen noch ein paar mehr von ihnen aus den Wolken heraus. Lotta ist erstaunt, als sie spürt, dass ihr Kleid ein paar Spritzer abbekommen hat und versteht nun besser, was es mit dem kleinen, blauen Tropfen auf sich hat. „Komm, setz dich auf meine Flügel und lass uns gemeinsam weiterfliegen.“, sagt die kleine Fee ganz leise zum Tropfen, bevor sie sich auf den Weg machen. Plötzlich wird es heiß, Lotta laufen die ersten Schweißperlen ins Gesicht und sie traut ihren Augen kaum, als vor ihr eine übergroße, orangene Flamme aufsteigt. „Tropfen, Tropfen, sieh mal. Ich habe Angst. Wer ist das?“. Noch bevor der kleine Tropfen antworten konnte, rief er seine Familie aus dem Himmel. Es wurde nass, tausende Tröpfchen versammelten sich und es regnete und regnete und regnete und …. „Aber, wo ist denn auf einmal das Ungeheuer hin?“, fragt Lotta erstaunt. „Ach Lotta. Das war das Feuer. Kennst du es denn nicht? Ganz klein fängt es an, dann wird es heiß und rot, orange und gefährlich. Es breitet sich in rasantem Tempo aus und kann deinen Lieblingswald zerstören, wenn wir nicht da sind und es mit unserer Kraft zum Erlöschen bringen.“, erklärt der Wassertropfen Lotta, die ihre Augen weit aufreißt und noch nicht versteht, was sie da gerade sieht. Eine kleine, runde Kugel klopft sich die letzten Reste des Feuers von ihrem braunen Mantel, schüttelt sich einmal ab und versucht, die Wasserflecken an ihrem runden Bauch abzustreifen. „Immer dasselbe mit den Anderen“. Während sie die Augen dabei verdreht, entdeckt sie die beiden Reisenden und den Rest vom Feuer, eine kleine orangene Flamme mit leuchtenden Augen, die nun gemeinsam mit Lotta und dem kleinen Regentropfen durch den Wald irrt, um sich besser kennen zu lernen. Die Flamme ist nicht gefährlich, solange sie so klein ist wie ein Kerzenlicht. „Wenn ihr im Dunkeln nicht zurückfindet, so werde ich euch den rechten Weg mit meinem Leuchten zeigen. Allerdings müsst ihr gut auf mich aufpassen, um nicht noch einmal zu einer riesigen Flamme aufzugehen.“ Mit großem Respekt trägt Lotta also nun neben dem Regentropfen auch das Feuer auf ihren Flügeln und passt gut auf beide auf. „Aber…“ erinnert sich Lotta zurück „Was hat es denn mit der kleinen, braunen Kugel auf sich, die vorhin auf dem Boden lag und schlechte Laune hatte?“. Je weiter sie fliegen, desto mehr dieser Gestalten versammelten sich unter ihnen und sahen aus der Ferne betrachtet wie ein einziger, großer Teppich aus. Lotta ist neugierig und setzt zur Landung an. „Ahhhhhhhh! Loooottttaaaa-haaaaa-haaaaaa! Was machst duuuuuuu?“ schrien der Regentropfen und das Feuer lauthals und krallten sich fest an die Feenflügel, um nicht abzustürzen. „Ihr zwei, beruhigt euch. Ich habe euch versprochen, auf euch aufzupassen. Habt keine Angst. Ich möchte da unten nur kurz „Hallo“ sagen und fragen, wer das denn nun wieder ist. Während der Tropfen und das Feuer auf Lotta warteten, wehte ein heftiger Wind und schüttelte unzählige Blätter von den Bäumen. Jeder im Wald hatte damit zu tun, sich festzuhalten, um nicht davon geweht zu werden. Doch weit und breit sah man ihn nicht – den Wind. Die Waldbewohner konnten nur spüren, wie er ihnen kalt an den Ohren vorbeiwehte, die Blätter und das Geäst durcheinanderbrachte und ein atemberaubendes Geräusch von sich gab. Lotta, die kleine Fee, war gerade auf dem Waldboden angekommen, als der heftige Sturm sie immer und immer wieder nach oben trieb. „Heeeeeee – du da unten – wer bist du?“, brüllte sie, um die Kugel nun endlich zu fragen, wer sie denn sei. Doch der Wind blies und blies und blies. Knack. Krrrr. Krrrz. Einige Zweige brachen mit einem krachenden Geräusch ab, fielen auf den Boden und blieben in anderen Bäumen hängen. Die Fee jedoch ließ sich nicht davon abbringen, sich so gut an der Kugel festzuhalten, dass sie nun endlich die Chance hatte, mit ihr zu sprechen. „Ich bin die Erde. Ich liege hier im Wald auf dem Boden und sorge dafür, dass die Menschen hier gemütlich spazieren gehen können. Manche von ihnen fühlen sich auch barfuß auf mir wohl, weil ich ganz fein und sandig bin. Doch wenn das Wasser vom Himmel kommt, dann bin ich eine kleine Matschkugel und warte darauf, dass die Sonne wieder scheint und mich trocknet. Ich kenne die Luft nur vom schnellen „Hallo“-sagen, so wie gerade eben. Dann bläst ein Wind durch den Wald und lässt mich gar nicht so recht zur Ruhe kommen. Ich wirbele also nicht gern durch die Welt, sondern fühle mich hier unten ganz wohl. Tschüss, liebe Lotta. Bis bald.“ Schon war der kleine Erdball verschwunden, um sich wieder hinzulegen. Als Lotta wieder zu ihren Freunden – dem Wasser und der Flamme – schwebt, schaut sie etwas verdutzt, als sie plötzlich eine neue Gestalt entdeckte. Mittlerweile hatte sich nämlich die Luft dazu gesellt, um mit auf Lottas Flügeln durch den Wald zu sausen. Sie verbrachten einige Stunden miteinander. Sie lachten, scherzten, sprachen über Lottas Feenleben und Lotta konnte den ganzen Tag all ihre neugierigen Fragen loswerden. Schließlich war sie deshalb vom Weg abgekommen. Doch nach und nach wurden das Wasser, die Luft, das Feuer und die Erde an einem anderen Ort der Welt dringend benötigt, sodass sie sich von der kleinen Fee Lotta verabschieden mussten. Lotta wusste nun, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben und mit offenen Augen durch die Welt und den Wald zu flattern und mal einen anderen Weg zu nehmen. Glücklich, zufrieden, aber auch unheimlich müde kehrt sie zurück in den Feenwald. Dort warten bereits unzählige andere Feen, Elfen, Trolle und Waldbewohner auf sie und ihre Geschichte der aufregenden Reise.

 

 

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