Musik als positiver Faktor in der kindlichen Entwicklung

Orff-Instrumentarium: Metallophon

Musik ist nicht nur eine Leidenschaft und ein Hobby, sondern bietet gerade auch in der Entwicklung unserer Kinder große Chancen. Ich glaube, ich brauche dir nicht erzählen, wie viel Spaß es macht, gemeinsam zu musizieren, in einem Chor zu singen oder auch einfach nur mal vor sich hin zu schauen und dabei das liebste Lieblingslied zu hören. Welche positiven Eigenschaften Musik in sich trägt und wie wir diese ganz spielerisch als Möglichkeiten in der Entwicklungsförderung nutzen können, liest du im folgenden Beitrag. Dort habe ich dir meine Gedanken zum Thema aufgelistet. 

 

Ein bisschen mehr Neugier, bitte!  

Neue Lieder und Instrumente wecken die Neugier, die Spielfreude und die Bereitschaft, zu lernen. Nur aus Neugier lernen Kinder, weil sie etwas kennen lernen wollen, auf das sie ganz gespannt sind. Dafür braucht es natürlich nicht immer große Instrumente, denn oftmals sind es auch Geräusche, die unsere Umgebung zu bieten hat, die schon ganz neu für die Kids sein können.

Eine Brücke bauen

Nicht immer gelingen Kommunikationssituationen von Anfang an. Und nicht immer gelingt es, Kinder auf gleiche Art und Weise an Instrumente heranzuführen. Doch manchmal hilft ein Instrument dabei, eine Verbindung innerhalb einer Gruppe zu schaffen oder eben auch zu einer bestimmten Person oder Situation.

Förderung von Konzentration und Aufmerksamkeit  

Musikalische Inhalte bieten vielerlei Möglichkeiten, Klänge, Töne, Geräusche und Melodien zu erkennen, genau auf gesetzte Impulse zu achten und Signale zu entdecken. Singen als komplexe Möglichkeit schafft die Verbindung beider Hirnhälften und sorgt außerdem für eine Achtsamkeit auf das, was gerade gemeinsam geschieht. Nutzen wir musikalische Elemente innerhalb der Sprachförderung, können wir ganz unterschiedliche Instrumente zur Erhöhung der Konzentration einbauen – welcher Ton klingt länger, welcher kürzer? Wer hat als Erster gespielt, wer als Letzter? Wann hörst du keinen Ton mehr?

Wahrnehmungsinhalt

Die Integration der Sinne – das bedeutet Entwicklung. Auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen verschiedene Dinge zu entdecken, zu begreifen und mit bereits erlernten Inhalten zu verknüpfen bedeutet Entwicklung. Sich Musik innerhalb dieses Feldes zu Nutze zu machen bietet den Vorteil, dass sie verschiedene Möglichkeiten zur Wahrnehmungsförderung in sich trägt, die genutzt werden wollen. Ebenen, die mit Musik gefördert werden können sind unter anderem die Hörwahrnehmung (Wie hört sich das Instrument an?), die taktile Wahrnehmung (Wie fühlt sich das Instrument an?) oder auch die visuelle Wahrnehmung (Wie sieht das Instrument aus, was unterscheidet es von anderen?). Manche Instrumente können sogar anhand ihrer Vibrationen mit dem ganzen Körper wahrgenommen werden! Wow!

Freies Spiel in der musikalischen Förderung

Innerhalb des Spektrums der kindlichen Entwicklung bedeutet das freie Spiel, dass Kreativität, Fantasie, Freude, neue Ideen, Mut, Rollenflexibilität, Nähe und Distanz angeregt und aus Freude heraus gefördert werden können. Kinder probieren Instrumente aus, ahmen Geräusche mit ihrer Stimme nach, erproben sich an körpereigenen Instrumenten und entdecken ihre klangliche Umwelt ganz spielerisch. Lass es zu!

Ganzkörperliche Erfahrung

Musik als Schafferin multisensorischer Erfahrungen bedeutet, dass der Körper als Instrument und als Bewegungseinheit entdeckt werden kann. Musik wird zum Element, das unseren ganzen Körper in verschiedene Stimmungen versetzen kann und uns zum Mitschwingen anregt. Kennst du das auch? Da ist Musik und plötzlich zuckt es in dir – deine Füße tippeln im Beat, deine Finger schnipsen rhythmisch und deine Hüften schwingen.

Musik = Rhythmus = Leben

Bitte lass dir noch einmal bewusst werden, dass unser Leben aus Rhythmen besteht. Unser Herzschlag, unsere Atmung, wie wir laufen, wie wir rennen – all das ist Rhythmus. Gerade auch für die Sprachentwicklung ist es wichtig, im Rhythmus zu sein und zu erkennen, dass Sprache und Musik miteinander zusammenhängen. Beides besteht aus Betonungen, Akzenten und aus Rhythmen.

Strukturgeber

Strukturen lassen sich innerhalb von Liedern gut finden und sind für die kindliche Entwicklung relevant. Lieder laufen oftmals nach einer bestimmten Reihenfolge ab, die vielen Kindern guttut, um Halt zu bekommen (z.B. erst kommt die Strophe, dann der Refrain). Auch als Anfangs- oder/und Verabschiedungsritual dient ein Lied als wertvoller Strukturgeber für die Therapieeinheit. Natürlich aber auch, um einen Tag zu beginnen oder zu beenden.

Mutmacher

Gerade in einer Gruppensituation besteht die Chance, mit Ideen, Aktionen oder Einfällen hervorzutreten und Selbstbewusstsein zu zeigen. Durch leicht spielbare Instrumente lassen sich Einfälle gut umsetzen und geben das Gefühl, ohne Üben, Üben, Üben ein Instrument zu beherrschen und darauf natürlich ganz stolz zu sein.

Lernhilfe

Lieder vermitteln Inhalte, Begriffe, logische Zusammenhänge, Umweltwissen, Gefahren, Naturphänomene, soziale Beziehungen und alltägliche Abläufe.

Katalysator für Emotionen

Emotionen werden angeregt, Musik kann sie beschleunigen und einen Zugang zur Gefühlswelt schaffen. Instrumente eignen sich, um Gefühle auf ihnen darzustellen.

Selbstaktivierung

Das bedeutet, dass wir unseren Kindern helfen, selbst aktiv zu werden, um sich als bio-psycho-soziales Wesen mit allen Facetten kennen zu lernen („Alles darf sein“) und ihnen Möglichkeiten zu geben, Dinge zu probieren und vor allem Selbstwirksamkeit zu erleben.

Wertschätzung

Musizieren mit Kindern findet in einem leistungsfreien Rahmen statt und entsteht aus Freude heraus, Musik bedeutet weder Leistung noch Bewertung, sondern in diesem Zusammenhang Entwicklung!

Kreativität, Fantasie, Entdeckerfreude

Sich für Instrumente Fantasienamen ausdenken, Melodien erfinden, Texte dichten und lustige Tänze versuchen – klingt doch nach Spaß, oder? Und ohne es zu bemerken, bieten diese Dinge so viele Chancen auf unterschiedlichen Entwicklungsebenen.

Entspannung und Ruhezeit

Auch unsere Kinder bekommen den Stress unserer Leistungsgesellschaft zu spüren. Da bleibt wenig Zeit für stressfreie Momente und Achtsamkeit. In einigen Ländern wurde glücklicherweise schon mehr Achtsamkeit in den Schulalltag eingeführt. Es gibt sehr viele wohlklingende, harmonische Instrumente, die sich gut in Entspannungsstunden einbinden lassen.

Gemeinschaft

Ich kenne das von mir – die guten Freundschaften von früher haben sich im Orchester entwickelt. Wir haben uns wöchentlich gesehen und hatten eben eine gemeinsame Leidenschaft: Musik! Das verbindet und schafft ein Gefühl des Zusammenhalts, das durch gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge und Wochenendtrips immer wieder gestärkt wurde. Schon die Kleinsten können in unterschiedlichen Musikkursen lernen, mit anderen zu spielen, erste Freundschaften zu entwickeln und sich eben über die Musik hinaus zu verabreden.

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