Näher an den Sternen – meine Flugangst und ich / Teil 2

EasyJet Pilot Jan Zwart und Maria Grohmann vom Blog Laute(r) Gedanken

Im ersten Teil meines Blogartikels über meine Flugangst habe ich euch versucht, ein bisschen mit in meine Welt zu nehmen. Es ging darum, wie ich mich vor dem Fliegen fühle, in welchen Stress das Fliegen und die Angst vor dem Ungewissen meinen Geist und Körper setzen und dass es für mich manchmal kaum auszuhalten war, an den Flughafen zu fahren und zu wissen, dass es gleich hoch hinaus geht. Ihr konntet lesen, wie traurig und enttäuscht ich selbst darüber bin, dass mich die Vorfreude auf Sonne, Strand und Meer zwar immer ein bisschen gepackt hat, aber ich nie so richtig loslassen konnte und die Angst jegliches positive Gefühl überschattete. In den letzten Zeilen konntet ihr erfahren, dass es für mich so nicht weitergehen konnte und dass ich unbedingt etwas ändern wollte. Was ich getan habe, wie es mir damit ging und was das Wunderbare an dieser unglaublich tollen Geschichte ist, erfahrt ihr nun im zweiten Teil.

 

Die Suche nach einer Lösung

 

Vor zwei Jahren bin ich das erste Mal in meinem Leben geflogen. Es hat also 25 Jahre gedauert, bis ich mich überhaupt getraut habe, in ein Flugzeug zu steigen. Es hat mich anfangs nicht sehr viel Überwindung gekostet, als ich am Laptop gesehen habe, wie schön der Urlaubsort ist, an dem ich bald sein werde und welches außergewöhnlich stilvolle Hotel wir gebucht hatten. Doch je näher das Abreisedatum rückte, desto aufgeregter wurde ich und all die beschriebenen Gefühle überrumpelten mich ziemlich. Doch mich packte die Neugier, etwas anderes zu sehen, etwas Neues zu entdecken und das Gefühl zu spüren, in einem Flugzeug zu sitzen. Natürlich führte ich vorweg viele Gespräche mit all jenen aus meiner näheren Umgebung, die schon oft geflogen sind, um mir sagen zu lassen, was beim Fliegen eigentlich passiert. Manche Dinge wollte ich gar nicht wissen und letztendlich wäre es wohl besser gewesen, ich hätte einfach niemanden gefragt und wäre ganz unvoreingenommen an die Sache herangegangen. Aber wie es so ist mit etwas Unbekanntem – lieber frage ich einmal mehr nach, als zu wenig. Nach meinem ersten Flug hatte ich weiterhin ein mulmiges Gefühl, auch wenn ich immer wieder aus meiner eigenen inneren Motivation heraus fliegen wollte, um Städte, Länder und Gegenden zu entdecken. Für mich konnte es so nicht weitergehen, also suchte ich nach Lösungen und fand einen Onlinekurs gegen Flugangst von easyJet. Das wollte ich unbedingt ausprobieren, weil es so einfach klang. Ja genau – das war das Argument, das mir besonders gut gefiel: von zu Hause aus und ohne andere Menschen, die alle Flugangst haben und sich gegenseitig bloß verrückt machen, in einem Raum zu sitzen. Darauf hatte ich nämlich so gar keine Lust, denn ich schaffte es schon sehr gut ganz allein, mich wahnsinnig stark in diese Angst hineinzusteigern. Also legte ich los und kaufte mir einen Zugang für den „Fearless Flyer Online Kurs“ von easyJet.

 

Fearless Flyer Online Kurs

 

Es wird geschätzt, dass 1von 6 Menschen unter Flugangst leidet, die sich selbstverständlich bei jedem Menschen in unterschiedlicher Art und Weise äußert. Denn Flugangst besteht aus mehreren Faktoren, wie z.B. Höhenangst, Platzangst, Angst, die Kontrolle zu verlieren oder Angst vor dem Fallen. Viele Menschen überwinden ihre Flugangst, in dem sie verstehen, wie das Fliegen funktioniert und genau das kann man im Online Kurs von easyJet erfahren. Für mich war es sehr spannend, „hinter die Kulissen“ zu schauen und einen Einblick in die technischen Details zu erhaschen, ungewöhnliche Geräusche erklärt zu bekommen und Methoden zu erfahren, die meine Angst reduzieren können. Lawrence Leyton, Angstexperte, kreierte den Fearless Flyer Kurs, der seit 2012 von easyJet angeboten wird und seither eine Erfolgsrate von 95% nachweisen kann. Im Mittelpunkt des Ganzen steht einer von easyJets erfahrenen Flugkapitänen. Der Kurs besteht aus zwei Hauptschwerpunkten, die wiederum einzelne spannende Themen aufgreifen – auf der einen Seite erfährt der Teilnehmer etwas über die technischen Details, auf der anderen Seite effiziente Bewältigungsstrategien. Das bedeutet also, dass sowohl Turbulenzen, der Umgang mit falschen Vorstellungen oder ungewöhnliche Geräusche erklärt und genauestens beschrieben werden, als auch Methoden, wie ein Panikanfall gestoppt werden kann, wie negative Gedanken durch Positive ersetzt werden können und wie die Angst unterbrochen werden kann. Und genau diese Kombination ist es, die den Kurs für mich so unheimlich wertvoll und lohnenswert gemacht hat. Die Methoden, die zur Angstbewältigung beschrieben wurden, konnte ich gut umsetzen. Ich habe für mich die „Klopfmethode“ entdeckt, bei der verschiedene Meridianpunkte abgeklopft werden. Für Nichtwissende sah das sicherlich schon etwas komisch aus und ein kleines Mädchen, das im Flugzeug neben mir saß, hat mich sogar gefragt, was ich denn da tue. Ich erklärt es ihr und schon war das Thema wieder gegessen. Auch andere Methoden werden beschrieben, die ich probiert habe und ich finde, dass gerade durch die Vielzahl an Strategien auch für jeden Teilnehmer etwas dabei ist, das er für sich anwenden kann.

 

  • 16 interaktive Lernmodule
  • 2,5 Stunden wertvolles Training
  • bewährte Strategien
  • entwickelt von einem Phobie-Experten
  • behandelt Platzangst, Höhenangst und Panikattacken
  • im Mittelpunkt steht ein erfahrener easyJet-Pilot

 

Übrigens gibt’s auch in England einen Fearless Flyer Kurs, der hautnah erlebt werden kann (nicht online). Dort wird dann gemeinsam geflogen und man bekommt ein Zertifikat und erlebt all das gemeinsam mit anderen und fliegt gemeinsam.

 

Das Unglaubliche an meinem ersten Flug nach dem Fearless Flyer Online Kurs

 

Manchmal glaube ich selbst noch nicht ganz, was passierte, als ich nach dem Belegen des Kurses in das Flugzeug stieg. Auf dem Flughafen sitzend, klopfte ich die Meridianpunkte ab, atmete oftmals tief durch und versuchte für mich noch einmal all das zu rekapitulieren, was ich in dem Online Kurs erfahren hatte. Ich hatte auch versucht, es meiner Reisebegleitung wiederzugeben, um für mich selbst erneut die Sicherheit zu haben, dass nichts schief gehen kann und dass meine Angst unbegründet ist. Dieses Mal hatte ich mich sogar dazu durchgerungen, einen Schluck Sekt zu trinken und etwas zu essen, bevor es losging. Für meine Verhältnisse recht entspannt saß ich in der Flughafenhalle und schaute mich um, wer gemeinsam mit mir im Flugzeug sitzen wird. Es half mir wirklich, meinen Atem zu beobachten und mehr Ruhe zu finden, als bei den Flügen zuvor. Doch ich kann sagen, dass die Angst dennoch nicht verschwunden war. Klar hatte ich noch Angst. Aber sie überrumpelte mich nicht mehr so stark. Sie war da und ich konnte sie manchmal in eine kleine Kiste in meinem Kopf einsperren und zuschließen, auch wenn sie wohl manchmal selbst den Schlüssel dabei gehabt hat, um sich zu befreien und mir mit leichtem Nervenkitzeln zu zeigen, dass sie noch in meinem Körper herumschwirrt.

 

Es ging los. Boarding.

 

Ich nahm mein Handgepäck, zog den kleinen Koffer hinter mir her und spürte wieder, dass mein Herz schneller schlägt, stoppte aber mein schnelles Atmen und ersetzte es mit einem bewussten, tiefen Atemzug. Ich stieg ein. Und ich traute meinen Augen kaum. Dort stand neben den Stewardessen ein Pilot, der die Gäste begrüßte und ihnen einen guten Flug wünschte. Und ich wusste, dass ich dieses Gesicht schon einmal irgendwo gesehen haben muss. Es dauerte tatsächlich nur ein paar Sekunden, bis mir klar wurde, dass es Jan Zwart ist. Der Pilot, der mir und tausend anderen Flugangstgästen im Fearless Flyer Online Kurs die technischen Details des Fliegens erklärte. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, ob das real war, was da passierte. Es gibt so viele Flugzeuge, so viele Piloten, so viele Crews, so viele Flüge, die an diesem Tag flogen, es gab drei Piloten während dieses Fluges und genau dieser eine stand vor der Cockpittür. Ich fackelte nicht lange und sprach ihn sofort an. Ich sagte ihm, dass ich ihn kenne. Er schaute mich verdutzt an und so erklärte ich ihm die ganze Story. Was dann geschah? Kurze Zeit später fand ich mich im Cockpit der Maschine wieder. Neben mir Jan Zwart und ein anderer Pilot. Und mein Partner, der auch gleich mit durfte und sich freute wie ein Honigkuchenpferd. (ja – da könnt ihr mal sehen, welche Chancen ihr durch eure Angsthasen bekommt :-D) Er erklärte mir jeden Knopf, jedes Geräusch noch einmal und beschrieb mir den genauen Ablauf eines Fluges. Ich war überwältig von all den Geräten, technischem Know-How und von der Leidenschaft, mit der die Piloten neben mir standen und mir erklärten, wie alles funktioniert. Ich bekam mein Lächeln nicht aus dem Gesicht und musste immer und immer wieder sagen, dass das ein Wink des Schicksals sein musste, das gerade zu erleben und nun genau mit diesem Piloten fliegen zu können. Er gab mir ein tolles Gefühl für meinen bevorstehenden Flug, weil ich die Chance hatte, noch einmal das zu verstehen und zu erleben, was ich im Online Kurs bereits erfahren hatte. Wir saßen noch eine Weile zusammen, bevor es losging und sprachen auch über den Online Kurs, über den Urlaub, über die Gefühle, die ich beim Fliegen empfinde und über dieses Zusammentreffen. Dann ging es los und wir nahmen unsere Plätze ein. Ein paar Minuten später kam Jan Zwart mit zwei Wasserflaschen zu uns und wünschte uns einen guten Flug. „Boar!“, dachte ich mir, „Das ist jetzt wohl wirklich meine ganz persönliche Therapie der Flugangst gewesen.“. Wir starteten, wir flogen, wir hatten ein paar leichte Turbulenzen und wir landeten. Und ich – ich wollte gar nicht landen. Ich wäre gerne noch weiter geflogen – das habe ich von mir noch nie gekannt. Für mich sind zwei Stunden Flug das Maximale, was geht. Und an diesem Tag hätte ich wohl bis zu den Sternen fliegen können (ich übertreibe natürlich). Ich saß entspannt im Flugzeug und wagte sogar einen Blick nach draußen. Ich sprach mit meinem Freund, der neben mir saß und der sonst leider während des gesamten Fluges nie Unterhaltung hat, weil ich meine Ruhe brauche und selbst nicht in der Lage bin, zu denken oder auch nur ein sinnvolles Gespräch zu Stande zu bringen. Als wir ausstiegen, fragte der Pilot, ob alles okay war und ob ich wieder fliege. Scherzhaft antwortete ich ihm „Ja klar, aber ab sofort nur noch mit Ihnen.“ – dass das nicht geht, weiß ich. Freuen würde es mich trotzdem, weil ich ihm vertraut habe, weil ich wusste, er ist kompetent und weil er mich mit meiner Flugangst ernst genommen hat. Noch ewig werde ich an dieses Schicksal denken und dankbar sein dafür, dass wohl irgendjemand wollte, dass genau dieser Moment meiner Angst einen Strich durch die Rechnung machen sollte.

 

 

Auch wenn es nicht die Normalität ist, nun genau diesen Piloten des Kurses zu treffen, lohnt sich der Fearless Flyer Online Kurs meiner Meinung nach wirklich. Eine günstige Variante zu verschiedenen anderen Möglichkeiten. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls bin begeistert!

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