Näher an den Sternen – meine Flugangst und ich / Teil 1

Über den Wolken. Blick aus dem Flugzeug in den Himmel.

Menschen rennen. Kinder ziehen ihre bunten Lieblingskoffer hinter sich her. Es duftet nach Kaffee, stinkt nach abgestandener Luft. Langsam geht vor den Fenstern der Flughafenhalle die Sonne auf und strahlt die großen Flugzeuge an, die im Zweiminutentakt das Rollfeld erobern, um möglichst viele Menschen zum Business, auf Reisen oder zur Familie zu bringen. Eine Menschenschlange aus kleinen und großen Reisenden wartet geduldig am Check-in-Schalter, während hinter mir ein gut aussehender Mann wohl noch einmal schnell seine E-Mails checkt und tief ausatmet. Meine Füße tippeln von einer Seite auf die andere, nervös kaue ich an meinen Fingernägeln und blinzele mit den Augenlidern, obwohl es dafür absolut keinen Grund gibt. Denn was mich erwartet ist eine durchaus wärmende und großartige Vorstellung: Meer, Sand, Palmen und Erholung. Und auch wenn ich weiß, wie es ist, in einem Flugzeug zu sitzen, überkommt mich wieder und wieder dieses Gefühl, das mir stets den ersten Tag meines lang ersehnten Urlaubs wohl irgendwie etwas vermiesen will. Denn ich habe Angst. Genau. Flugangst. Mittlerweile sind es nicht schon Wochen vor dem Flug, in denen ich mir viel zu viele Gedanken mache, wie es wohl werden könnte, wieder in einem dieser Kolosse zu sitzen, die Menschenmengen in der Luft an die schönsten Orte der Welt bringen. Doch schon auf der Autofahrt zum Flughafen merke ich stets, wie es mir manchmal den Atem klaut und wie kleine Blitze in meinen Magen zu zischen scheinen, die alles in mir zusammenziehen lassen. Ich merke, wie mein Körper sich erhitzt und binnen Sekunden wieder kalt wird. Manchmal sind meine Füße heiß, als würde ich auf Feuer stehen und gleichzeitig könnten meine Hände eine Gefriertruhe sein. Ich fühle mich müde und doch putzmunter. Ich freue mich auf den Urlaub und doch habe ich Angst. Ich weiß, was mich am Flughafen erwartet und auch, dass meine mittlerweile schon neun Flüge nach Palma de Mallorca durchgehend sicher für alle Fluggäste waren und doch bin ich aufgeregt und male mir die schlimmsten Dinge aus, die wohl wirklich nur im sehr unwahrscheinlichsten Fall eintreten. Ist es die Angst vorm Absturz? Die Gewissheit, nichts tun zu können? Das bedingungslose Vertrauen, das wir alle dem Piloten schenken müssen? Die Angst, mit so vielen Menschen auf so engem Raum Zeit zu verbringen? Wahrscheinlich wurde es wohl mittlerweile schon zur Angst vor der Angst.

 

Wie ich mich fühle

Die ersten Flüge meines Lebens spielten sich ungefähr so ab: Dreimal Weinen, bevor der Flug überhaupt startet. Mindestens zweimal davon in der Flughafenhalle und dann noch einmal, als ich den Sitzplatz im Flieger eingenommen habe. Der erste Blick im Flugzeug gilt immer dem Vordersitz und dem Check, ob eine Tüte darin steckt. Umschauen im Flugzeug, welche Art Menschen mich da so umgeben und ob irgendjemand aussehen könnte, als würde er etwas Ungutes wollen. Der Wunsch, sofort wieder auszusteigen und meinen Urlaub lieber in der Kälte zu verbringen. Das Festdrücken der Hand, die meine hält. Das „Auf-Toilette-Müssen-obwohl-ich-doch-gerade-erst-war“. Die Liste könnte noch weitergehen.

 


Wahrscheinlich wurde es wohl mittlerweile schon zur Angst vor der Angst.


Der Wunsch nach Veränderung

Das konnte so nicht weitergehen – unmöglich wollte ich das Gefühl haben, schon Wochen vor dem Urlaub an den Flug zu denken – jedenfalls nicht mit negativen Gedanken. Unmöglich wollte ich allen anderen das Gefühl geben, am liebsten nicht zu verreisen. Doch unheimlich gerne möchte ich andere Länder, Menschen und Kulturen kennen lernen. Ich bin mir natürlich dessen bewusst, dass auch all das mit dem Auto möglich ist, doch mit vielen Umständlichkeiten verbunden. Und schließlich bin ich ja nun auch schon ein paar Mal geflogen und weiß, wie es ist, abzuheben, in der Luft zu sein und zu landen. Doch mein Kopf und mein Herz sind sich hier nicht immer einig. Manchmal würde ich eines von beiden gerne überlisten, aber unser Körper ist ja schlau. Wie kleine Netzwerke stelle ich mir die Verbindung zwischen Körper und Geist vor – ein ständiger Austausch von bunten, weißen und schwarzen Fäden, die gesponnen werden. Die bunten Fäden haben Überhand. Sie lassen Erinnerungen aufleben und bringen uns dadurch zum Lachen, sie schicken die wohligsten Wohlfühlmomente weiter und zeigen uns, wie schön das Leben ist. Die weißen Fäden können noch bunt werden. Das sind die, die irgendwie einfach da sind und noch nicht besetzt sind und sich aussuchen können, ob sie bunt werden wollen oder ob die schwarzen Fäden sie irgendwann wohl einmal mit einnehmen. Aus schwarz lässt sich so schwer eine andere Farbe mischen. Eine Aufhellung ist nicht von jetzt auf gleich möglich. Wisst ihr, wie ich das meine? Ist der Faden einmal schwarz und schlängelt sich irgendwo zwischen Körper und Geist hin und her, dann braucht es erst einmal ein kurzes „Hallo“ von den bunten Fäden, eine Annäherung und Anreicherung aus purpurrot, türkisblau, mintgrün und sonnengelb. So wie die dunkle Wäsche. Du stellst sie in den Keller und sie bleibt sattschwarz. Hängst du sie zum Trocknen in die hellste Sonne, wird sie bleicher. Also musste ich mir nun etwas überlegen, um die schwarzen Angstfäden mit den bunten Freudefäden zu vermischen. „Eigentlich ganz einfach“, könnte man jetzt sagen. Denn wenn ich doch sowieso schon geflogen bin und außer ein paar wenigen Turbulenzen alles prima lief, sollte ich doch einfach an diese positiven Gefühle und die Sicherheit denken, die ich im Flugzeug gespürt habe. Doch wenn es so einfach wäre, dann würde ich diesen Artikel nicht schreiben. Dann hätte ich keine Angst und dann hätte ich nicht das Bedürfnis, etwas gegen meine Angst zu unternehmen.

 


Das konnte so nicht weitergehen – unmöglich wollte ich das Gefühl haben, schon Wochen vor dem Urlaub an den Flug zu denken – jedenfalls nicht mit negativen Gedanken


Die Idee

An vielen Flughäfen fand ich Flugangstseminare. Doch all diese Flughäfen sind für mich einfach zu weit weg gewesen und ganz nebenbei war es mir viel zu teuer. Sicher gehen auch hier die Meinungen auseinander, da es sich bestimmt lohnt, ein interaktives Seminar zu diesem Thema zu besuchen und schon einmal im Vorfeld des Fluges zu spüren, wie es sich anfühlt, einzusteigen, abzuheben und welche Dinge auf mich zukommen. Doch ich hatte es für mich ausgeschlossen. Hypnose ebenfalls. Das kam für mich nicht in Frage, weil ich nicht dran glaube. Bei vielen weiteren Recherchen fand ich doch etwas, das mir weiterhalf. Ich fand etwas, das mir ein besseres Gefühl beim Fliegen gibt und wofür ich erstens nicht unendlich viel Geld ausgeben musste oder in eine hunderte Kilometer weit entfernte Stadt fahren musste. Genau neugierig wie ihr jetzt seid, war ich, als ich noch nicht wusste, worauf ich mich einlasse und was auf mich zukommen wird. Doch heute kann ich sagen, dass es sich für mich gelohnt hat. Und dass ich eine großartige Begegnung erleben konnte, die mich noch jetzt fasziniert. Im nächsten Blogartikel erfahrt ihr mehr!

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