Karma & Tinte /// #4 Blick in den Spiegel

Zeichnung zum Thema "Blick hinter den Spiegel"

Karma & Tinte /// #4 Blick in den Spiegel – ein Gastbeitrag von Resonanzgestalt


Wenn wir in oder gar hinter den sprichwörtlichen Spiegel blicken, was können wir entdecken? Sicherlich einiges über uns selbst. Bei genauerem Hinschauen können wir sehen, was uns ausmacht, was uns fasziniert und lebendig macht. Wir alle sind Ansammlungen von Interessen, Wünschen, Träumen und Erlebnissen, die uns prägen. Diese Ansammlungen sind es, die von uns erschaffene Bilder einzigartig machen – wenn wir wollen. Der eine ist fasziniert von Meerestieren, jemand anders träumt von fernen Welten im dunklen All, eine Dritte blüht im wahrsten Sinne des Wortes auf beim Anblick der Blumen hinter ihrem Haus.

Was uns anzieht können wir in Skizzen und Bildern einfangen. Wir können es aus unserem eigenen Blickwinkel betrachten und ihm eine ganz individuelle Handschrift geben. Mit dem Zeichnen erschließen wir uns diese Fähigkeit und öffnen uns selbst die Augen für das, was wir in der Welt und den Dingen sehen.

Dabei lohnt es sich, sich immer wieder Fragen zu stellen: Was fasziniert mich genau? Was finde ich schön? Was wühlt mich auf? Was lässt mich mit einem angenehmen Schauer zurück? Die Suche nach diesen Antworten beim Betrachten der Welt, ist ein ständiger Blick in den Spiegel. Ein Blick, der fest verbunden ist mit unseren Bildern, die wir erschaffen. Uns kann dabei das offensichtlich Schöne ebenso ansprechen, wie Zwielichtiges, das im Verborgenen lauert. So interessant üppige Landschaften für den einen sind, sind es klare Kanten moderner Architektur für den anderen. Das Abenteuer besteht darin, herauszufinden, was für einen ganz persönlich den kreativen Funken überspringen lässt.

Ich habe zum Beispiel durch das Zeichnen mein Interesse an Tieren wiederentdeckt. Mich fasziniert die Vielfalt der lebendigen Geschöpfe. Wenn ich ein Tier sehe versuche ich mich nun bewusst zu erinnern: Was macht dieses Tier aus? Welche Besonderheiten hat ihm Mutter Natur mitgegeben?

Immer wieder gibt es auch Filme, Bücher, Kunstwerke die mich magisch anziehen. Doch warum? Ich versuche zu Verstehen, was bestimmte Ästhetiken ausmacht. Oft sind es dabei nicht die lupenreinen schönen Dinge die mich anziehen, sondern jene mit kleinen oder großen „Fehlern“. Moosbewachsene Mauern, verfallene Herrenhäuser oder Gestalten im Zwielicht. Das Zeichnen und Malen, das davon inspiriert wird, lässt mich hier öfter wieder genauer hinschauen. Ich bekomme wieder besseren Zugang zu meinen ästhetischen Vorlieben. Vorlieben, die meine Identität ausmachen.

Wenn ihr einen Film schaut, der euch gefällt, fragt euch also gern einmal, was euch genau zu diesen Bildern und Geschichten hinzieht. Oft vergessen wir beim Bingewatching von einer Serie nach der anderen uns genau diese Fragen zu stellen. Doch es lohnt sich hinzuschauen und dabei einen Blick in den Spiegel zu erhaschen. Wenn sich daraus dann ein Kunstwerk ergibt – umso besser.

 


Lest auch unbedingt die bisherigen Beiträge der Serie Karma & Tinte

#1 Geduld

#2 Loslassen

#3 Sinnesfreude

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