Karma & Tinte /// #3 Sinnesfreude

Zeichnen weckt Sinnesfreude.

Karma & Tinte /// #3 Sinnesfreude – ein Gastbeitrag von Resonanzgestalt


Lektionen müssen nicht immer hart sein. Sie können auch schön sein. Erleichternd. Belebend. Denn was sonst ist die schlussendliche Intention des Ganzen? Doch die Freude am Erschaffen und Erleben, am Zusammenspiel von Farben, Mustern und Formen. Als Triebfeder dieses Spiels entpuppt sich dabei schnell die eigene Neugier an den Dingen, die uns umgeben und den neuen Welten und Wesen, die mit Stift und Pinsel erschaffen werden. Zeichnen zwingt uns zu unserem Glück, die Welt mit unseren Augen zu sehen und zu spüren.

 

Auch wenn uns von allen Seiten suggeriert wird, dass wir zu unserem eigenen Vergnügen leben und den Tag mit allerlei Nettigkeiten genießen sollen, sind wir nicht selten gefangen in den Hülsen dieser sinnlichen Glücksbotschaften. Manchmal bleibt dann nur schneller Konsum ohne wirkliche Sinnesfreude übrig.

 

Wie sehr schauen wir hin, wenn wir beim Wochenendspaziergang die bunten Sommerblumen am Wegesrand streifen? Nehmen wir die Farben genau wahr? Sehen wir die kleinen, aber feinen Unterschiede, die diese Blumen so schön machen? Würden wir uns nun neben die Blumen setzen und sie malen wollen, würden wir möglicherweise sehr genau hinschauen. Wir widmen uns den Pflanzen mit mehr Bedacht. Dieses Zuwenden zu einem Gegenstand und das Erschaffen eines neuen (dem Bild) kann sehr befriedigend sein. Die Schönheiten des Objekts bekommen die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt. Dann schauen wir auf das Blatt, voll mit Tupfern, Farben und Formen. Vielleicht huschen uns Gedanken durch den Kopf, wie das Licht die Farben hier und da heller erscheinen lässt und ein Schatten an anderer Stelle einen schönen Kontrast bilden kann. Und da ist es. Ein Lächeln huscht uns über das Gesicht. Die Freude am selbst gestalteten Werk und den Farbeindrücken klopft uns auf die Schulter.

 

Zugegeben, ich bin oft eine Freundin monochromatischer Tuschezeichnungen. Aber auch hierbei können meine Sinne diese Momente erleben – zwar keine Freude an den Farben, aber an den Linien und Formen. Wenn mir ein Schatten besonders gefällt oder eine gewisse Lebendigkeit auf dem Blatt entsteht. Auch dann kommt dieses Gefühl.

 

Diese Freude hilft, den Alltag für einen kurzen Moment zu durchbrechen und einer Sache zu begegnen, die unser Leben bereichert: Unserer menschlichen Fähigkeit zum Genuss, die gleichzeitig dazu beiträgt, uns gesund zu erhalten. Dem einen fällt es dabei leichter, ihr auf die Spur zu kommen, dem anderen schwerer. Aber wenn man sie für sich gefunden hat, ist es sehr ratsam diese Spur nicht aufzugeben.

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