Kinder, bewegt euch!

Kinder springen, hüpfen, spielen, tanzen, laufen, rennen -Bewegung ist wichtig.

Als ich kürzlich mit einem Freund in der Stadt entlang spazierte und wir genüsslich unser Eis schleckten (Herrje – zur Zeit habe ich das Gefühl, dass fast jeder meiner Blogbeiträge in irgendeiner Art und Weise von Eis handelt), erzählte er mir voller Energie, Enthusiasmus und Leidenschaft von seiner ehrenamtlichen Arbeit in einem Sportverein. Ein Mann, der sowieso schon die meiste Zeit seines Tages in seinem Büro verbringt und jede Menge um die Ohren hat und sich trotzdem, oder auch gerade deshalb, dafür einsetzt, dass es Kindern und Jugendlichen möglich gemacht werden kann, Bewegungserfahrungen zu sammeln, sportlich aktiv zu werden, sich auszupowern und durch eine Mitgliedschaft in einem Sportverein natürlich auch ein Gemeinschaftsgefühl zu bekommen. Interessiert stellte ich ihm noch ein paar Fragen und so kamen wir in Diskussion über die Wichtigkeit von Bewegung in der kindlichen Entwicklung, aber auch über die Bedeutung des Ehrenamtes. Dieses Gespräch schenkte mir so einige Gedanken, die ich natürlich sehr gern mit euch teilen möchte. Ich musste meine Ideen natürlich erst einmal ordnen, da dieses Thema so wahnsinnig viel Spielraum lässt für Inhalte, über die ich schreiben kann. Damit auch ihr einen kurzen Einblick in den nachfolgenden Text bekommt, habe ich die wichtigsten Themen erst einmal zusammengefasst.

 

  1. Wie es zu diesem Blogbeitrag kam
  2. Kinder, bewegt euch!
  3. Bewegung und Sprache – Und ob das zusammengehört!

 

Wie es zu diesem Blogbeitrag kam!

 

Ganz kurz konntet ihr ja schon lesen, wie die Idee entstand. Doch das schönste Detail kommt noch: am vergangenen Samstag, den 26.05.2018 fand im thüringischen Saalfeld die 14. Sportgala des 1. SSV Saalfeld bei schönstem Sommerwetter statt. Es war eine Menge los an diesem Samstagnachmittag in der Dreifelderhalle „Grüne Mitte“. Ein abwechslungsreiches Programm rund um Mitmachangebote, aber auch Möglichkeiten zum Zuschauen wurden geboten und neugierige Familien, aktive Vereinsmitglieder, Sportskanonen und interessierte Zuschauer kamen während der Veranstaltung auf ihre Kosten. Unter anderem wurden Handball- und Basketballspiele, Tanzauftritte, Fitnesskurse, ein Kinderspielparcours, Aerobic-Showauftritte, Kistenklettern, eine Hüpfburg sowie ein Kletterfelsen vom 1. SSV Saalfeld geboten und von kleinen und großen Besuchern mit positiver Resonanz angenommen. Eine Veranstaltung wie diese auf die Beine zu stellen gelingt nur durch Engagement, Leidenschaft und Zeit, was für die ehrenamtlichen Mitglieder während der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Sportgala eine Selbstverständlichkeit darstellt. Nur so kann etwas in anderen entfacht werden und sie erreichen. Genau wie es am Samstag geschafft wurde! Gerade in einer Zeit, in der Smartphones und Tablets an Bedeutung gewinnen, ist es meiner Meinung nach unheimlich wichtig, dass genau solche Aktivitäten und Veranstaltungen angeboten werden und Eltern sowie Kinder merken, welche Chancen körperliche Aktivitäten innehaben und dass der Horizont doch etwas anders erweitert wird als beim Tippen auf den hochmodernsten Geräten.

 

 

Kinder, bewegt euch!

 

Erinnert ihr euch noch an eure Kindheit? Wenn ich manchmal daran zurück denke, wie oft ich mit meinem Fahrrad Runden durch das Dorf gefahren bin, beim Seilspringen die Sprünge mitgezählt habe oder mit Freundinnen durch den Wald gestiefelt bin und dabei manchmal in den Matsch gefallen bin, dann bin ich glücklich darüber, dass meine Generation noch nicht ganz im Medienwahnsinn der heutigen Zeit groß geworden ist. Natürlich gab es auch schon damals eine Entwicklung in diese Richtung – Tamagotchis wollten gefüttert werden und der Gameboy war auch auf Reise ein guter Begleiter und Helfer gegen Langeweile. Doch mehr Reiz für mich hatten stets die Spiele, die wir einfach selbst ausprobieren konnten und mit vollem Körpereinsatz die Natur entdeckt haben. Denn was lässt uns wachsen und entwickeln? Es ist nicht unbekannt, dass es eine Mischung aus unterschiedlichen Erfahrungsbereichen bedeutet. Fantasie hatten wir damals genug, um im Wald aus Stöcken kleine Häuser zu bauen, Parcours zu gestalten, über die wir gehüpft, gerannt, gelaufen und gefallen sind. Es entstanden die ersten kleinen Wettkämpfe untereinander, die natürlich immer jeder gewinnen wollte und schon allein deshalb jeder sein bestes gab, was an Bewegung für den Einzelnen möglich war. Spielplätze haben wir erkundet – jeder sah anders aus – Rutschen, Netze, Kletterstangen, Reifenschaukeln und Co. ließen uns immer wieder die Vielfalt unserer Ideen, Bewegungen und Grenzen erkennen. Worauf ich hinaus will sind meine Gedanken und fast schon Ängste zur aktuellen Entwicklung dieser essentiellen Dinge, die wohl aber aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so selbstverständlich sind wie sie es früher waren. Ganz oft sehe ich als häufigste Beschäftigung das Tippen auf dem Smartphone der Eltern und das Vertreiben von Langeweile mit lustigen Serien und Filmen, die sich von überall aus streamen lassen. Doch ist es nicht auch sehr wertvoll, den Kindern mal Langeweile zu lassen? Ich meine damit nicht im Sinne davon, dass sie sich ständig langweilen und wir sie nicht fördern und fordern. Doch aus einer freien Zeit heraus ergibt sich das Spiel und die Gestaltung mit dem, was vorhanden ist. Es ist schön und gut, dass wir unseren Kindern die Wochenenden mit unseren eigenen Plänen voll planen, doch um kreativ zu sein, selbst ins Handeln zu kommen und dem „Spiel“ an sich Platz zu geben, brauchen die Kleinen auch Zeiten, die nicht verplant sind. Es gibt unendlich viele Arten zu spielen. Spielen bedeutet selbstverständlich nicht nur, das Ganze mit Bewegung zu verbinden, dennoch widme ich diesen Beitrag heute körperlichen Aktivitäten und bringe ihn in Bezug zur ganzheitlichen, kindlichen Entwicklung.

 

Welche Bereiche Bewegung unter anderem fördern kann, habe ich euch in ein paar Punkten zusammengefasst:

 

  • Die körperliche Koordination wird gefördert und das Kind lernt durch Bewegungen mit seinem eigenen Körper umzugehen, sich im Raum zu orientieren und eine Wahrnehmung für den eigenen Körper zu entwickeln.
  • Muskeln werden aufgebaut, Spannungsverhältnisse deutlich.
  • Der Entdeckungsspielraum wird durch körperliche Aktivität größer – das wird klar, sobald ich erneut das Beispiel „Smartphone“ anbringe. Dort geht es lediglich um einen eingeschränkten Blick auf das Display und auf nahe Fingerbewegungen. Beim (Aus)Toben ist der ganze Körper aktiv.
  • Fantasie wird angeregt, wenn Zeit zum Spielen bleibt.
  • Bewegungsspiele mit anderen Kindern fördern außerdem die soziale Kompetenz, das Miteinander, das Hervortreten durch eigene Ideen, aber auch das Einfinden in die Gruppe.
  • Sport fördert die Konzentration. Sei es durch Parcours, die mit Aufmerksamkeit und Konzentration bestritten werden wollen oder der Fakt, dass die Kids sich erst einmal so richtig auspowern können, bevor sie danach in der Kita oder der Schule eine Aufgabe bekommen, die sie wach und achtsam am Tisch erfüllen sollen
  • Die Auge-Hand-Koordination wird ebenso gefördert wie die allgemeine körperliche Koordination
  • Bewegung fördert Rhythmus – gehen ist Rhythmus, laufen ist Rhythmus, springen ist Rhythmus.
  • Stets wird das Umweltwissen erweitert, neue Erfahrungen werden gesammelt.
  • Kinder haben durch Erlebnisse etwas zu erzählen.

 

 

Und was hat das ganze nun mit Sprachentwicklung zu tun?

 

Bewegung ist Leben. Leben ist Rhythmus. Rhythmus ist Sprache. Das kann man unendlich lang ausweiten. Wenn wir bedenken, dass unsere Sprache daraus entsteht, dass viele Bewegungen aneinander gereiht werden, um Worte zu formen, dann sollte allein dadurch schon klar werden, dass Bewegung und Sprache nicht voneinander zu trennen sind. Durch Bewegung wird unsere Grobmotorik und die Wahrnehmung für den eigenen Körper geschult, wir werden sicherer im Umgang mit Körperteilen und wissen, was zu uns gehört und wie wir damit umgehen können. Letztendlich beruht das Sprechen auf feinstmotorischen Bewegungsausführungen von extra- und intraoralen Strukturen (Lippen, Zunge, mimische Muskulatur), die koordiniert werden. Dennoch benötigen wir auch Spannung des Körpers, um kräftig und deutlich zu sprechen, um plosive Laute mit Kraft heraus zu bringen. Diese Spannung erreicht der kindliche Körper jedoch nicht, wenn er keine Bewegungserfahrungen macht, um Muskeln aufzubauen. Genau diese Bewegungen laufen, wie auch schon oben beschrieben, in bestimmten Rhythmen ab. Wir setzen ein Bein vor das andere, beim Hüpfen springen wir erst mit einem Bein und beim Rennen passiert all dies ein bisschen schneller. Ohne dass wir darüber nachdenken. Sprache ist Rhythmus. Kein Gespräch wirkt interessant, wenn unsere Sprachmelodie monoton klingt und aus keinerlei Rhythmus und Betonungen besteht, oder? So ist es bedeutsam, dass grobe Bewegungen einer rhythmischen Struktur unterliegen sowie kleinste Bewegungen, womit ich das Sprechen meine. Übrigens: Atmung ist auch Bewegung. Was brauchen wir zum Sprechen? Genau, die Atmung. Und auch hierzu benötigen wir unseren ganzen Körper, brauchen die notwendige Spannung, um zu sprechen. Die Aktivität, die uns Bewegungen schafft und die wir mit anderen teilen, lässt uns neue Worte kennen lernen und neue Verknüpfungen erstellen, über die wir verfügen und mit anderen sprechen können. Die Liste könnte noch weitergehen, um meinen Ausflug in das Gebiet „Sprache und Bewegung“ auszudehnen, doch schon anhand dieser Punkte wird deutlich, wie unheimlich wichtig es ist, Kinder zum Bewegen zu animieren und all das auch im Zusammenhang mit Sprachentwicklung, Sprachförderung und allgemeiner Entwicklungsförderung zu sehen.

 

 

Das Maskottchen "Sterni" darf nicht fehlen.
Das Maskottchen “Sterni” darf nicht fehlen.
Die Saalfelder Sporthalle "Grüne Mitte" zur Sportgala am 26.05.2018
Die Saalfelder Sporthalle “Grüne Mitte” zur Sportgala am 26.05.2018
Kinder springen, hüpfen, spielen, tanzen, laufen, rennen -Bewegung ist wichtig.
Kinder springen, hüpfen, spielen, tanzen, laufen, rennen -Bewegung ist wichtig.
Die Saalfelder Sporthalle "Grüne Mitte" zur Sportgala am 26.05.2018
Die Saalfelder Sporthalle “Grüne Mitte” zur Sportgala am 26.05.2018
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Also Kinder, bewegt euch!


 

One Review

  1. Liebe Maria,

    wieder ein sehr interessanter Artikel mit einem sehr sehr wichtigem Thema. Auch für uns Sprachtherapeuten und du hast all die Dinge sehr treffend formuliert, ja alles was Sprache betrifft ist Bewegung. Oft liest man auch, daß z. B. krabbeln mit dem sprachverständnis und laufen mit Sprachproduktion in Verbindung steht! Da gehen die Meinungen allerdings auseinander, ich persönlich finde es aber plausibel. Schon bevor wir sprechen und verstehen können bestehen Verbindungen von Bewegung zur Sprache und ja ohne Bewegung ist kein sprechen möglich. Wie ist es mit unseren neurologischen Patienten, die z.. B. durch schwere Schlaganfälle nahezu Bewegungsunfähig werden?

    In meiner Therapie kann ich bei meinen Kindern häufig beobachten, wie sie nicht nur in der Bewegung eingeschränkt sind und somit auch im sprechen undeutlich, monoton, schwach sind und manche Laute gar nicht erst gebildet werden, sondern auch Einschränkungen in der sensibilität, visuelle Wahrnehmung, Propriozeption, Gleichgewicht usw. eingeschränkt sind. Da spielen alle Sinne zusammen und ich finde das Thema Mega spannend. So baue ich fast immer und mit jedem Kind Bewegung in Therapie ein. Wir haben das Glück in der Praxis ein Klettergerüst zu haben, so baue ich regelmäßig Parcours auf, lass die Kinder über igelbälle oder sandsäckchen laufen, lass sie einbeinig zu den Bildern hüpfen, über Seile balancieren, durch Tunnel kriechen. Wir spielen Fußball, Rollen oder werden Bälle…. Ich mag nämlich auch nicht die ganze zeit sitzen. Manchmal machen wir auch sowas wie eierlauf (lineal mit einem bauklotz), den das Kind balancieren muss, das schult die Bewegung, Konzentration, Zusammenspiel der muskeln, feinmotorik, Auge-hand Koordination. Ach ich find das Thema super und merke gerade wie sehr ich meine Arbeit liebe ❤️
    Danke Maria, dass du hierrüber berichtest!

    lg Jenny

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