Dresden – Straßenmusik, die ans Herz geht

Straßenmusik-Duo in Dresden

Ganz oft überlege ich, ob ich nicht an einem verlängerten Wochenende einfach mal zu Hause bleibe und das erledige, was eben so anfällt. Doch viel zu oft packt mich das Reisefieber und die Sehnsucht nach einem anderen Fleckchen Erde. Denn dort entdecke ich Orte, die ich vorher noch nie gesehen habe, erlebe Kultur, wie sie in der jeweiligen Region ihren Brauch hat, komme in Gespräche mit anderen Menschen und erfreue mich daran, gerade auf Reisen zu spüren, dass ich lebe. Für das Pfingstwochenende stand nun die sächsische Landeshauptstadt Dresden auf meiner Reiseliste und die ersten zwei Tage hier in dieser kulturell hochwertigen und von Sehenswürdigkeiten geprägten Stadt haben mich schon wahnsinnig fasziniert. Da sehe ich Menschen, die so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht, ich laufe an unzähligen Cafés und Restaurants vorbei, in deren Biergärten und auf deren Terrassen jede Menge los ist. Familien nehmen sich Zeit für eine Segway-Tour, Reisegruppen werden von einer Frau durch die Altstadt geleitet, die mich mit ihrem barocken Kleid vor Faszination umhaut und später sehe ich verliebte Pärchen, wie sie ein Selfie vor der Frauenkirche machen, um die Erinnerungen nicht nur im Herzen festzuhalten, sondern auch etwas für die Ewigkeit zu haben. Wenn ich das so schreibe fällt mir einer meiner Lieblingsmomente an diesem Wochenende ein:

 

Straßenmusik, die mich zum Weinen brachte

 

Ich hörte schon die ersten Klänge, als ich meinen Weg von den Brühlschen Terrassen Richtung Zwinger fortsetze und wie ein Magnet konnte ich nicht anders, als mich in die Traube von Zuhörern zu stellen, die auch den Melodien des ukrainischen Duos lauschten. Den ganzen Tag hatte sich die Sonne noch nicht blicken lassen, doch nun kam sie zwischen den Wolken hervor und machte diesen Moment einfach perfekt. Die junge Frau, die auf ihrer Geige so gefühlvoll spielt, als würde ihr niemand zusehen und der Gitarrist, dessen Körper eine Silent Guitar schmückte, haben verstanden, was Musik ist. Sie haben mich begeistert und so stand ich auf den Pflastersteinen Dresdners Altstadt und hatte das Gefühl, mich ganz diesem Moment hinzugeben. Ich glaube, dass um mich herum hätte alles passieren können und ich hätte es wohl nicht mitbekommen, weil ich die Musik spürte und sie meinen ganzen Körper, als auch meinen Geist in ihren Bann nahm. Ich merkte wieder, was Musik alles kann und wozu sie fähig ist, wenn man nur bereit ist, sich darauf einzulassen. Neben mir standen Paare, die sich umarmten, Familien, die das eine oder andere Lied mitsummen konnten und Freundinnen, die rätselten, ob das „wirklich eine richtige Gitarre“ sei. Als ich dann wieder ganz bei mir war, merkte ich, wie mir langsam die Tränen in die Augen schossen, weil ich so berührt war. Ich war berührt von der Art, wie das junge Duo die Zuhörer in ihren Bann zog und mit welcher Begeisterung sie ihre Instrumente spielten. Da gab es Stücke, da bewegte sich mein Fuß und die Energie rauschte durch meinen kompletten Körper. Und dann gab es Melodien, die waren sanft und still, leise und anmutig, streichend und weich. Die Traube, die sich um die Straßenmusiker gebildet hatte, nahm nie ab. Es kamen andere Zuhörer dazu, manche gingen weiter, andere liefen vorbei. Und ganz vorn, da stand ein kleiner Junge. Mit großen Augen und die Welt scheinbar vergessend stand er in der allerersten Reihe und ließ sich durch nichts und niemanden stören, als er der Musik lauschte. Die Sonne prallte auf die Instrumente und die Menschen und mit der Frauenkirche im Hintergrund machten die facettenreichen Stücke des Duos den Pfingstsonntag perfekt. Als die Mama des kleinen Jungen nach ihm rief, überhörte er ihre Stimme und wollte gar nicht weg. So wie ich. Noch ewig hätte ich den beiden zuhören können und den Moment genießen wollen, an dem die Musik mich in eine Welt führt, in die ich mich versinken lassen kann ohne daran zu denken, was mal war oder sein wird.


Den Moment genießen, an dem die Musik mich in eine Welt führt, in die ich mich versinken lassen kann ohne daran zu denken, was mal war oder sein wird.

 

Das war definitiv einer der schönsten Momente dieses Wochenendes, auch wenn es noch viel mehr dieser wunderbaren und vor allem auch musikalischen Momente gab. Als Kleinstädterin bin ich es nicht gewohnt, Straßenmusik erleben zu können, wenn ich aus dem Haus gehe. Dresden als eine Stadt mit faszinierenden Gebäuden, einzigartiger Kultur, spannenden Attraktionen und vor allem Ziel für einen Wochenendausflug erlebt zu haben, hat mir unheimlich gut getan und mein Herz aufgehen lassen.

Mehr über die Wirkung von Musik erfahrt in in meinem Beitrag
“Warum Menschen mit Musik so viel gemeinsam haben”

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