Logopädie im Nachbarland Österreich – Laute(r) Gedanken fragt nach

Interviewserie Laute(r) Gedanken - Sprechblasen

 

So langsam nähert sich die Interviewserie “Laute(r) Gedanken” fragt nach dem Ende zu. Umso wunderbarer ist es, dass ich in diesem Beitrag über das Interview mit Angelika berichten kann. Wir haben uns über die Zeitschrift “LogoLine” kennengelernt, die die österreichische Logopädin gemeinsam mit anderen Sprachtherapeuten des Verbandes der LogopädInnen in Oberösterreich, gestaltet. Daraufhin kam mir der Gedanke, mich mal nach den Gegebenheiten in unserem Nachbarland umzuhören. Und dabei erfuhr ich einiges. Ich danke dir, liebe Angelika! Aber besonders natürlich für die Möglichkeit, mit meinen Spieletipps in eurer Zeitschrift zu erscheinen. Viel Spaß beim Lesen!

 


Im Interview mit einer österreichischen Logopädin – Angelika Staudinger im Gespräch


Angelika, du bist Logopädin in Österreich. Wo genau?

Angelika Staudinger, Logopädin und Österreich.

In Linz, Oberösterreich

 

Kannst du kurz beschreiben, wie die Ausbildung zur Logopädin in Österreich abläuft? Ist es auch eine 3-jährige schulische Ausbildung wie in Deutschland? Wie hoch ist der Praxisanteil?

Es ist eine dreijährige Ausbildung mit hohem Praxisanteil in den verschiedensten Institutionen (Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, freie Praxen, …). Praxisanteile finden sich das ganze Jahr über (zB in Kindergärten) und in 3- bis 4-wöchigen Praktika im Winter und im Sommer.

 

Verordnungslandschaft in Österreich – wer verordnet „üblicherweise“ die Logopädie? Sind es HNO-Ärzte, Kinderärzte, Neurologen ect.?

Kinderärzte, HNO-Ärzte, Hausärzte, Zahnärzte, Neurologen

 

Der lustigste österreichische Zungenbrecher lautet:

Zwanzg zquetschte Zwetschkn und zwanzg zquetschte Zwetschkn san vieazk zquetschte Zwetschkn. (Zwanzig zerquetschte (=zerdrückte) Pflaumen und zwanzig zerquetschte Pflaumen sind vierzig zerquetschte Pflaumen)

 

Ist es üblich, auch in Österreich in integrative Kindertagesstätten zu gehen? Wie ist das Verhältnis von Praxispatienten zu Patienten in Einrichtungen?

Bei uns sind Integrationskinder in normalen Kindergärten eingegliedert. Sie werden entweder von den Logopäden, die beim Träger der Einrichtung arbeiten, betreut oder von freiberuflichen Logopäden. Das Verhältnis von Praxispatienten zu Patienten in Einrichtungen kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, da wir sehr viele Einrichtungen haben, die logopädisch Patienten betreuen, haben diese mehr Patienten als die Praxen.

 

Du hast mir noch gar nicht erzählt, wie deine Arbeit aussieht.

Liebe Maria, stimmt. Ich habe ganz vergessen, meine Arbeit zu beschreiben. Ich betreue vormittags zwei Kindergärten in Linz. Dort nehme ich mir Kinder aus den Gruppen heraus und therapiere sie einzeln. Nachmittags bin ich in meiner eigenen Praxis tätig und betreue Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen, -verzögerungen, Artikulationsstörungen, myofunktionellen Dysfunktionen, Lese-Rechtschreibstörungen und Erwachsene mit Stimmstörungen (alles freiberuflich). Außerdem begleitet mich in meiner Praxis seit Herbst mein “frischgebackener” Therapiebegleithund Blue, der auch schon einzelne Arbeiten übernehmen kann.
​Im Verband der LogopädInnen Oberösterreich bin ich im Vorstand dabei als Redaktionsleitung der Verbandszeitung.

Wie viele Patienten behandelst du wöchentlich?

Um die 40 Patienten

 

Ich als deutsche Logopädin – dürfte ich einfach in Österreich in meinem Beruf arbeiten oder gibt es Einschränkungen?

Deutsche Logopäden brauchen in Österreich eine Berufszulassung, die sie ohne weitere Auflagen beim Bundesministerium für Gesundheit in Wien erhalten.

 

Wir haben uns über die Zeitschrift „Logoline“ kennengelernt, in der du einen meiner Blogbeiträge veröffentlicht hast. Beschreibe den Lesern kurz, worum es sich bei dieser Zeitschrift handelt.

Die LogoLine ist die Zeitschrift unseres Verbandes der LogopädInnen in Oberösterreich, die 5-mal jährlich erscheint. Darin gibt es Informationen des Verbandes (Vorstand, Freiberufler, Öffentlichkeitsarbeit…), Rezensionen von Spielen und Büchern, Zusammenfassungen von stattgefundenen Fortbildungen, lustige und interessante Berichte…

 

In Deutschland liest man Stellenanzeigen über Stellenanzeigen – Logopäden scheinen Mangelware zu sein. Sieht das in Österreich ähnlich aus?

Da bei uns keine Logopäden bei anderen Logopäden angestellt sind, sieht es etwas anders aus. In Österreich gibt es für freiberufliche Logopäden die Möglichkeit, einen Kassenvertrag zu erhalten (nach Stellenplan – keine Zuzahlung für die Patienten) oder als Wahllogopädin zu arbeiten. Angestellt sind Logopäden in verschiedensten Institutionen wie Krankenhäusern, Rehakliniken, Caritas, Volkshilfe, Behinderteneinrichtungen…derzeit sind wir ganz gut versorgt, obwohl im freiberuflichen Bereich immer zu wenig LogopädInnen zur Verfügung stehen.

 

Hast du ein Lieblingsspiel in der Logopädie? Wenn ja, welches ist es? Und warum?

Das Einkaufsspiel von Ravensburger: weil es die Kinder immer wieder gerne spielen und man es so vielfältig einsetzen kann.

 


Zwanzg zquetschte Zwetschkn und zwanzg zquetschte Zwetschkn san vieazk zquetschte Zwetschkn.


 

 

Hast du ein Lieblingsgebiet in der Behandlung? Stimmstörungen? Schluckstörungen? Kindliche Aussprachestörungen?

Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen und Stimmstörungen

 

Angelika, ein schönes Fleckchen Erde, das du den Lesern empfehlen kannst, zu besuchen? Waldviertel (oberer Teil von Österreich -viel Wald, viele Teiche und viel Ruhe)

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