Laute(r) Gedanken fragt nach: Als Kunsttherapeutin die Welt ein bisschen besser machen

Kunsttherapie als nonverbale Therapieform.

„Kunst ist etwas, das bleibt – gesprochene Sprache vergeht“, so beschreibt es Claudia Lieb, Kunsttherapeutin aus Leidenschaft, wenn sie von ihrer Arbeit spricht und davon erzählt, wie kunsttherapeutische Methoden auf Seelen wirken können, die schmerzliche Erfahrungen machen mussten. Schon als ich über meine Interviewreihe nachdachte wusste ich, dass eine Kunsttherapeutin darin Platz finden soll und finde es sehr spannend, mehr über Claudias Arbeit zu erfahren. Musik und Kunst sind meiner Meinung nach oftmals durch strukturierte Verfahren, die in der Schulzeit kaum Platz für freien künstlerischen Ausdruck gaben, zu Worten geworden, die nicht mehr die Freiheit besitzen, die sie haben sollten, um zu wirken. Kunsttherapeutin Claudia Lieb weiß wie wichtig es ist, sich durch künstlerisch-therapeutisches Arbeiten inneren Konflikten den Raum zu geben, sie durch Bilder nach außen zu tragen.

In ihrer Praxis für Kunsttherapie „CunstLIEBe“ bietet sie kunsttherapeutische Möglichkeiten unterschiedlichen Charakters für Groß und Klein. Mit welchen Fragen ich Claudia gelöchert habe, auf was ich neugierig war und welche Erfahrungsräume Kunst als Therapie bietet, erfahrt ihr im nachstehenden Interview. Mit einem herzlichen Dank an dich, liebe Claudia für deine Zeit und Offenheit!

 


◊ Im Interview mit Kunsttherapeutin Claudia Lieb ◊


 

Kunsttherapeutin Claudia Lieb arbeitet in ihrer Praxis "CunstLIEBe"
Kunsttherapeutin Claudia Lieb

Liebe Claudia, Kunsttherapie als Ausdrucksmöglichkeit – wie kann ich mir das vorstellen?

 

Manchmal gibt es Situationen im Leben, in denen der sprachliche Ausdruck nicht mehr reicht, oder um sich Dinge/Entscheidungen/Muster klarzumachen, ist es gut sich dies mal aufzumalen/schreiben, auch damit sich das Gehirn daran gewöhnen kann. Durch visuelle Eindrücke verändern sich Sichtweisen. Gerade für Kinder ist seelischer Schmerz (oft körperliche Symptome) sprachlich schwer auszudrücken. Das Malen hilft, um an die Gedanken des Kindes zu kommen und somit an den seelischen Schmerz.

 

 

 

Welche Angebote findet man in deinem Atelier?

 

  • Psychotherapie (im Allgemeinen) als Gesprächstherapie mit oder ohne Kunsttherapie (Einzel-/Paarsetting)
  • eine kunsttherapeutische Kinder-/Jugendgruppe
  • in offenes Atelier
  • kunsttherapeutische Seminare im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) für Firmen

 

Wie ist dein Wunsch entstanden, Kunsttherapeutin zu werden? Hast du schon immer eine Verbindung zur Kunst gehabt? Schon immer gern gemalt?

 

Kunst war in der Schule nicht so mein Fach, da, wie ich später merkte, das „Freie“ fehlte. Immer Themen-/und Technikvorgabe. So eng alles. Gezeichnet habe ich oft zuhause für mich. Mit Mitte Zwanzig habe ich dann Kunst auf Lehramt studiert. Zum Ende des Studiums merkte ich allerdings, dass ich kein Lehrer sein wollte. Während dieses Studiums habe ich dann zum ersten Mal von Kunsttherapie gehört, mich erkundigt und dann ein Kunsttherapiestudium an der Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen drangehängt.

 

„CunstLIEBe“ – Praxis für Kunsttherapie – kannst du mir und meinen Lesern einen deiner Wochentage beschreiben?

 

Da sich meine Klienten meist ab Mittag therapieren lassen, ist mein Luxus morgens aufzuwachen, wenn der Körper genug Schlaf hat. Dafür sitze ich abends bis 21 Uhr im Geschäft. Im Atelier erledige ich die anfallende Büroarbeit und empfange Klienten. Meine Dokumentationen schreibe ich direkt nach dem Setting. Zwischendurch, wenn ich Leerlauf habe, male ich selber an eigenen Werken. Oder auf Wunsch gestalte ich bestimmte Dinge wie im Moment einen Renault Alpine A110 eisblau, auf Leinwand als Geschenk.

 


“Therapeutin sein heißt für mich, die Welt ein bisschen besser zu machen.”


 

 

Ganz kurz zu den organisatorischen Dingen: als Musiktherapeutin weiß ich, dass Musiktherapie nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Sieht es in der Kunsttherapie ähnlich aus? Welche Möglichkeiten gibt es, die Kosten übernehmen zu lassen?

 

Genau das gleiche wie Musiktherapie. Privatleistung. Private Kassen übernehmen die Kosten oder probieren am Ende des Jahres über den Lohnsteuerjahresausgleich (außergewöhnliche Belastungen) die Kosten abzusetzen.

 

Kannst du uns von einem Patienten erzählen, der dich innerhalb deiner Arbeit als Kunsttherapeutin besonders beeindruckt hat auf seinem Weg?

 

Mein erster Klient: Führungsposition – „Burn out“. Gemeinsames Herausarbeiten seiner geschäftlichen Schwachstellen und Verhaltensänderung. Das hat super geklappt. Der Klient hat alles umgesetzt, was wir als Belastungsminderung auf den Punkt gebracht haben. Und privat hat er dann auch noch seine langjährige Partnerin geheiratet, obwohl er das Jahre vor sich hergeschoben hat. Nach drei Monaten war er aus der Praxis wieder draußen. Unglaublich!

 

Was kann Kunst deiner Meinung nach, was andere psychotherapeutische Maßnahmen nicht können?

 

Das gesprochene Wort oder auch ein Ton wie in der Musiktherapie ist schnell verklungen. Das gestaltete Werk ist immer „sichtbar“. Es ist da und es kann immer wieder auf das Werk zurückgegriffen werden, um daran zu arbeiten.

 

Kunsttherapeutin Claudia Lieb bei ihrer Arbeit.
Kunsttherapeutin Claudia Lieb bei ihrer Arbeit.

Therapeutin sein – was heißt das für dich?     

Die Welt ein bisschen besser zu machen. Im Kleinen.

 

Hast du ein Lieblingszitat über Kunst?             

„Ich denke sowieso mit dem Knie“ (Joseph Beuys)

 

 

Ein Projekt von dir ist das betriebliche Gesundheitsmanagement. Wie läuft es ab? Wer kann es buchen? Was bedeutet es für Teams?

 

Offenbar lassen sich unter den besonderen Bedingungen künstlerischer Praxis Fähigkeiten mobilisieren, die nützlich sind, um kreative Entscheidungen in Situationen zu treffen, die weder vorhersehbar noch planbar sind. Wenn das stimmt, dann wäre es das veränderte Wahrnehmungsverhalten, das Einfluss auf soziale Herausforderungen haben kann. Eine künstlerische Praxis in sozialen Krisen- und Konfliktsituationen könnte dann ihre Begründung finden in einer Kunst, die sich als menschliche Praxis versteht und sich daher auch auf die Geschäftswelt beziehen lässt.

Ich biete Unternehmen, die Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) betreiben oder zukünftig betreiben wollen und ihren Mitarbeitern Unterstützung zum Thema Stressbewältigung anbieten möchten, ein maßgeschneidertes und auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmtes kunsttherapeutisches Seminarangebot. Dazu zählen:

 

∇ Kunsttherapeutische Teambildungsmaßnahmen

 

. Analyse des Ist-Zustandes (Gruppengespräch)

. Gemeinschaftsbild gestalten

. Nachbereitung

 

∇ Kunsttherapeutische Resilienzstärkung

 

. Mitarbeitergespräch

. Kreative Umsetzung der inneren Widerstandskraft

∇ Burn-Out-Seminar für Führungskräfte und Mitarbeiter

 

. Analysegespräch

. Kunsttherapeutische Reflexion

. Präventio

 

Was machst du gerne, wenn du mal gerade nicht zeichnest?

Lieben, Leiden und Lachen,…Leben eben, wie alle anderen Menschen auch.

 

Claudia Lieb, Kunsttherapeutin, und ein Klient gestalten gemeinsam ein Bild.

 

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Herzlichen Dank für diesen spannenden Einblick in deine Arbeit als Kunsttherapeutin! Als Musiktherapeutin stelle auch ich fest, dass gestalterische Therapien einen großen Vorteil gegenüber Gesprächstherapien besitzen. Es ist dadurch möglich, viel mehr Empfindungen des Inneren nach außen zu tragen und zwar nicht nur über Worte (die dennoch meiner Meinung nach durch Reflexions- und Feedbackmöglichkeit ihren Platz finden sollten). Als eine musiktherapeutische Methoden verfügen wir Musiktherapeuten u.a. über das “Bildgestalten mit Musik” und ich erlebe es als sehr wertvolles Gut, KlientInnen auf diese Art und Weise helfend zur Seite zu stehen, um verborgene Ressourcen zu entdecken, sich selbst anders zu erleben und Emotionen näher zu kommen.

 

Um mehr von Claudia zu erfahren, in ihrem Blog zu lesen und in ihre kunsttherapeutischen Angebote hinein zu schnuppern, besucht ihr am besten ihre Website unter folgendem Link:

 

∇ Cunstliebe – Kunsttherapie Claudia Lieb ∇

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