Mallorquinischer Wind in meinen Gedanken

Weitblick im Tramantuna-Gebirge Mallorcas. Blick auf das Mittelmeer sowie auf den Ort Banyalbufar.

Erst gestern bin ich wieder im kalten Deutschland gelandet und vermisse schon jetzt das Wellenrauschen zum Einschlafen und Aufwachen, die Sonne, die mir das Herz und Gesicht wärmt und den Wind, über den ich mich an den ersten Urlaubstagen sogar noch beschwert habe, weil er mir die Haare zerzaust hat. Acht Tage Zeit nahm ich mir, um mich zu erholen und meinen Urlaub auf Mallorca zu verbringen. Meer, Wellen, Strand und unheimlich nette Menschen waren in dieser Zeit meine Reisebegleiter. Es ist so unfassbar seltsam, wie schnell die Zeit vergeht und wie plötzlich eine Woche vorbei ist, obwohl sie doch gerade erst angefangen hat. Und schwupps – so sitze ich wieder zu Hause auf meiner gemütlichen Couch und wenn ich nach draußen sehe, beobachte ich die Wolken, wie sie ziehen und entdecke keine Spur von Meer, Sand und Strand. In eine andere „Welt“ zu reisen – damit meine ich, ein anderes Land zu entdecken und neue Erfahrungen und Möglichkeiten zu erhaschen – ist so viel wert und schafft uns Qualitytime, für die wir uns zu Hause manchmal keine Minuten nehmen. Das fängt schon dabei an, am Morgen eine andere Aussicht zu haben und so den Blick über den Tellerrand zu erweitern. Denn plötzlich siehst du über dem Tellerrand deines ausgiebigen Frühstücks, für das du dir Zeit nimmst, das türkisblaue Meer und den feinen Sandstrand, während du dir zu Hause fast gar keine Zeit mehr nimmst – weder für ein ausgewogenes, langes Frühstück, um einen guten Start in den Tag zu haben, noch für die kleinen Dinge, die dir auf deinem Weg zur Arbeit begegnen. Ich will nicht sagen, dass es mir so geht – für mich bedeuten auch zu Hause die kleinen Dinge des Lebens eine Menge, doch lerne ich auf Reisen immer wieder neue spannende, kuriose, interessante, lustige und vor allem wertvolle Ecken, Gegenden, Dinge, Menschen, Sitten und Bräuche kennen, die mich immer wieder aufs neue faszinieren und durch die ich lerne, dass die Welt so viel mehr zu bieten hat. Mit einem Lächeln den Tag zu starten und zu wissen, dass du nichts auf deiner To-Do-Liste stehen hast und einfach deinen Tag (er)leben kannst, wie dir gerade der Sinn steht und du kein bestimmtes Ziel in einer festgelegten Zeit erfüllen musst, sondern einen Weg entlang spazierst, von dem du gar nicht weißt, wo er hinführt. So ging es mir übrigens im wahrsten Sinne des Wortes. Als wir mit dem Auto durch das fantastische Tramantuna-Gebirge Mallorcas mit unserem Mietwagen fuhren, wussten wir nicht, wo wir sind – und ich sag euch eins: dort, wo wir waren, fanden wir das Paradies. Ein Naturschauspiel, das aussah wie im Film. Ich meine einen Film, den du dir ansiehst und das Gefühl hast, du bist mittendrin und kannst dich mit deinen Gedanken genau an diesen Ort hin träumen und allen anderen Kram, der dich manchmal belastet, plötzlich vergessen. Enge Straßen, architektonische Highlights, die für die Bewohner der kleinen Bergdörfer den Charakter ihrer Heimat seit unendlich vielen Jahren ausmachen und für sie wahrscheinlich schon zur Normalität geworden sind. Über den typisch hellen Dächern der mallorquinischen Häuschen fanden wir eine Terrasse, die uns einen wunderbaren Blick über das Mittelmeer bot. Mit einem Cappuccino in der Hand, der Sonnenbrille im Gesicht und dem warmen Wind auf der Haut genossen wir die Zeit in den Bergen und staunten über eine Finca, die sich unseren Augen mitten in all der Flora und Fauna des Gebirgszuges auftat. Ein Ort, an dem man wohl alt werden könnte, dachte ich mir. An dem du gemeinsam mit deiner Familie am Abend den Sonnenuntergang betrachten wirst, bevor am nächsten Tag die Sonne aufgeht. Und der Tag, den du gerade hast, ist das Einzige, das dir wirklich sicher ist. Das Hier und Jetzt! Und so fühlte sich jeder Tag meiner vergangenen Woche an – auch wenn ich in der einen oder anderen Minuten daran gedacht habe, dass das Flugzeug nach Deutschland in ein paar Tagen wieder starten würde, so habe ich mich lieber an dem Gedanken festgehalten, dass nur das zählt, was wir gerade haben. Was hätte es mit meinen positiven Vibes gemacht, wenn ich jeden Tag traurig darüber gewesen wäre, weil ich wusste, dass die Alltagsauszeit bald wieder vorbei sein würde? Möglicherweise hätte ich all das Schöne, was mich umgab, nicht genießen können. Und so erfreute ich mich an leckerem Essen, freundlichen Gastgebern, unheimlich begabten Straßenmusikern, die meinen Fuß zum Mitwippen brachten, ich erfreute mich am Nichtstun. Kennt ihr den Spruch Pippi Langstrumpfs? Lest mal: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen“. Stimmt, oder? Oftmals vergessen wir, wie viel uns dieses „Dasitzen“ geben kann. Unsere Gedanken können sich aus dem Karussell, in dem sie so oft eine Fahrkarte reserviert haben, lösen und neue Energie kann unseren Körper und den Kopf durchschießen und für Klarheit sorgen, für neue Ziele, für Gedankenfreiheit.

 


„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen“


 

Und wie ist das bei dir? Wann stehst du auf und gehst raus, um die Welt zu entdecken, die du gern sehen willst? Und vielleicht entdeckt die Welt ja dann dich – wenn du sie nur lässt und ihr die Chance gibst, dir zu zeigen, dass sie nicht nur Sightseeing für dich bereit hält, sondern sie dir hilft, in dir zu ruhen.

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