„Therapeuten ohne Zukunft“ – Artikel der Apothekenumschau unter die Lupe genommen

Artikel in der Apothekenumschau März 2018.

Schon in zwei Tagen feiern LogopädInnen wieder den „Tag der Logopädie“ – seit 2004 wird dieser jährlich am 06. März veranstaltet. Viele SprachtherapeutInnen nutzen diesen für Informationsveranstaltungen, Projekte oder kreative Aktionen, um über unseren Job aufzuklären, Interessierten mehr Klarheit zu bieten und die Bandbreite der Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen zu präsentieren. Ganz passend zum Berufsbild des Logopäden erschien in der aktuellen „Apothekenumschau“ ein Artikel rund um uns Therapeuten, er trägt den Titel „Therapeuten ohne Zukunft“. Ich habe mich mal etwas länger mit diesem Schriftstück beschäftigt und möchte einfach diesen Beitrag heute einer kritischen Betrachtung dessen widmen.

 

Ich glaube, dass es schwierig ist, allgemein umfassend sagen zu können, dass wir Therapeuten immer zu wenig Geld für das verdienen, was wir leisten. Denn verdienen heißt meiner Meinung nach auch, dass wir einen Job erlernt haben, der eine Vielfalt an Begegnungen bringt und wenn wir jeden Tag gerne und mit einem Lächeln zur Arbeit gehen können, sollten wir wohl dankbar sein, dass wir uns vor einigen Jahren für die Ausbildung zur Logopädin, Ergotherapeutin oder Physiotherapeutin entschieden haben. Doch haben wir wohl in der ersten Euphorie manchmal nicht an die wirtschaftliche Entwicklung und die Zukunftschancen innerhalb der Heilberufe gedacht. Das lese ich jedenfalls aus den Zeilen des Artikels der Apothekenzeitschrift heraus. „Jeder vierte Therapeut ist aus seinem Job ausgestiegen“, so können wir es darin lesen und angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft und all der Stellenanzeigen, die tagtäglich nicht nur das WWW erreichen, ist dieser Fakt doch wirklich traurig. Doch bei all den anderen Facts wohl auch verständlich – es wird davon gesprochen, dass es kaum Aufstiegschancen gibt und dass die Löhne „rund 45 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liegen“. Interessant fand ich die Betrachtungsweise, dass einige Kassen meinen, soziale Leistungen würden auf Rezept verordnet und Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie übernehmen die Förderung, die eigentlich zu Hause stattfinden soll. Könnt ihr das in einigen Fällen bejahen oder grundsätzlich verneinen? Und selbst wenn Ärzte Heilmittelverordnungen zur allgemeinen Entwicklungsförderung für ein bestimmtes Entwicklungsziel ausstellen, so wird dies seine Gründe haben. Darum soll es hier in meinem Beitrag gar nicht gehen. Eher darum, gemeinsam zu überlegen, was einen Heilmittelberuf so interessant macht und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wie es in ein paar Jahren aussehen wird, das weiß wohl niemand von uns. Doch gibt es eine klare Tendenz zur Akademisierung unseres Berufes, um erstens einheitliche Qualitätsstandards zu haben und somit zweitens durch erforschte Inhalte ein höheres Ansehen des Berufs zu erreichen. Was wäre die Quintessenz? Gäbe es dann mehr Logopäden, die in der Forschung arbeiten als die Therapeuten, die tatsächlich Face-to-Face beim Patienten sitzen? Und gäbe es „nur“ wegen höheren Ansehens auch ein höheres Gehalt? Ich für meinen Teil denke, dass wir als Therapeuten nicht unbedingt studiert haben müssen, um kompetent zu sein. Denn so müsste es auch jetzt schon einen Qualitätsbeauftragten geben, der in Kliniken, Praxen und andere therapeutische Einrichtungen kommt, um die Standards zu überprüfen (das beziehe ich übrigens nicht nur auf unseren Beruf, sondern kann allgemeingültig auf verschiedene Berufszweige bezogen werden). Jedoch stimmt der Fakt, dass es für uns problematisch ist, in einem anderen Land als Logopäde mit unserer Ausbildung tätig zu sein – denn wir sind das einzige Land Europas, das die Ausbildung an Berufsschulen anbietet. Dabei zu beachten: als Sprachtherapeut in einem anderen Land tätig zu sein, wird wohl sowieso die eine oder andere Sprachbarriere mit sich bringen.

 

Was ich mit all den Dingen und meiner Sichtweise sagen will ist, dass es in jedem Beruf Schattenseiten gibt, die sich mal eher, mal später zeigen. Doch gilt es für jeden, etwas daraus zu machen, was nicht heißen soll, dass man auf Biegen und Brechen Therapeut bleiben soll, wenn es nicht mehr tragbar ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.