Glücklich sein als guter Vorsatz

Ein Gänseblümchen zwischen Daumen und Zeigefinger.

Als sie mich fragten, was meine Vorsätze für das neue Jahr seien, sagte ich „glücklich sein“. Sie schauten komisch und fragten mich nach so richtigen Vorsätzen – abnehmen und gesünder ernähren, öfter Freunde besuchen, mit den Großeltern einkaufen gehen, im Fitnessstudio anmelden, Geld sparen, Familie gründen, Haus bauen. Als Antwort für mich fand ich, dass all diese Dinge doch vielleicht zum glücklich sein dazu gehören. Vielleicht nicht für jeden. Vielleicht für dich und nicht für mich. Für sie. Für ihn. Für jeden etwas anderes, das ihm wichtig ist. Ich fragte mich, ob glücklich sein denn kein richtiger Vorsatz ist? Ja – ich glaube, es liegt daran, dass es die Menschen nicht gewöhnt sind, eine solch minimalistisch wirkende Antwort zu bekommen, wenn sie doch nach den großen Wundern fragen, die wohl durch den Jahreswechsel auf uns zukommen können. Doch in einer Zeit, in der alles viel zu schnell an uns vorbeizieht und uns manchmal keine Zeit lässt für die Dinge, um die es im Leben wirklich geht, ist glücklich sein vielleicht gerade dieses große Wunder, das es gilt zu entdecken und für sich selbst zu verstehen. Zufriedenheit und Glück – selbstverständlich einhergehend mit der Erfüllung eigener Bedürfnisse, die so unterschiedlich sind wie wir Menschen es sind. Glücklich sein – Glück haben – in Glück leben – Glückspilz – Glückskeks – Glücksrad. Noch viel mehr Wörter rund ums Glück kommen mir in den Sinn, wenn ich darüber nachdenke. Und so, wie sie für jeden für etwas anderes stehen, so sieht auch das Glück für jeden anders aus. Doch was hat es eigentlich mit diesen so genannten guten Vorsätzen für ein neues Jahr auf sich? Sind es Prinzipien, die wir uns plötzlich am ersten Tag eines neuen Jahres selbst auferlegen, weil es jeder so macht oder stammt dieser Impuls tatsächlich aus uns selbst heraus? Wollen wir dabei sein beim Vorsätze erschaffen, weil mal wieder der erste Januar gekommen ist oder sollten wir nicht aus einer Neugier und Spannung heraus auch an anderen Wendungen im Leben neue Vorsätze bilden? Als ich zum Beispiel meine Patienten in der jeweils ersten Therapiestunde des neuen Jahres nach ihren Wünschen – und ich habe ganz absichtlich nicht „Vorsätze“ gesagt – gefragt habe, bekam ich „Gesundheit“ und „Wohlbefinden“ als Antwort, weil sie „ja alles andere“ schon hätten. Das sollte uns die Augen öffnen – denn unser Leben kann sich von heute auf morgen ändern und wir können plötzlich nicht mehr der Superheld der Chefetage sein, die flotte Biene im Reisebüro oder der hart arbeitende Bauarbeiter – und dann ist der einzige Wunsch, der uns bleibt, dass wir uns Gesundheit gewünscht hätten statt immer mehr Technik, um Fortschritte zu erzielen und hunderte Schritte nach vorne zu hüpfen, statt sie schreitend zu laufen und rings umher noch all die bunten Farben zu sehen, die es zu entdecken gibt, wenn wir uns bloß Zeit dafür nehmen und achtsamer wären. In einer Zeit, in der Zeit ein kostbares Gut ist, weil die Tage wohl irgendwie viel zu kurz sind, um alles zu erledigen, was auf unserer To-Do-Liste steht, soll Glück ein seltsamer „Vorsatz“ sein? Wahrscheinlich war es schon immer so, dass die Menschen sich das gewünscht haben. Wahrscheinlich habe ich es aber noch vor einiger Zeit auch anders gesehen. Doch je mehr Menschen ich kennen lerne, je mehr Schicksalsgeschichten ich höre und je offener dankbare Menschen auf mich zukommen, desto bewusster wird mir, dass eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio zwar für einige Menschen den Vorsatz des Glücks fürs neue Jahr wohl fördert, dass wir aber ruhig auch nach den vielen Feiertagen ein bisschen Speck angesammelt haben dürfen, ohne danach gleich Gewissensbisse zu haben. Habe ich auch, wenn ich mal wieder zu viel Nutella gelöffelt habe. Aber hey – ich war dabei glücklich! Spaß beiseite – ob Nutellalöffler oder Negativdenker. Ob Sportmuffel und Couchpotatoe. So ein paar gute Ideen, um für sich, den Körper und den Geist etwas zu tun, um für sich selber gut ins neue Jahr zu starten, sind ja nicht schlecht. Aber überlegen wir mal genau, ob diese Gedanken uns selbst entstammen oder ein auferlegter Druck sind? Was macht euch denn wirklich glücklich? Macht lieber mehr von diesen Dingen!

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