ABC eines Therapeuten (nach M. Grohmann)

Aus dem Buchstabensalat auf dem herbstlich gedeckten Tisch entstehen die schönsten Wörter.

Therapeut sein. Was bedeutet das eigentlich? Und ist es tatsächlich so, dass wir in unseren therapeutischen Ausbildungsberufen  genügend über unsere Persönlichkeit lernen und darüber, was es wirklich heißt Therapeut zu sein, bevor wir dann ins Berufsleben “hineingeworfen” werden? Mir ging es jedenfalls so, dass ich erst durch meine nebenberufliche Ausbildung zur Musiktherapeutin wirklich viel mehr darüber gelernt habe, wie wichtig die therapeutische Beziehung ist und dass jene der stärkste Wirkfaktor innerhalb menschlicher Begegnung (= Therapie) ist.

So habe ich mir für jeden Buchstaben des Alphabets eine Eigenschaft überlegt, die mir innerhalb des therapeutischen Arbeitens sehr wichtig erscheint. Selbstverständlich gibt es für jeden Buchstaben noch viel mehr gute Einfälle und vor allem wichtige Eigenschaften – dann hinterlasst sie mir doch gerne als Kommentar unter diesem Beitrag. Ich würde mich sehr freuen!

Heute gibts die ersten drei Buchstaben! Die nächsten folgen jeweils in den nächsten Wochen, bis das Alphabet vollständig ist und es eine Zusammenfassung für meine Leser gibt!

 

Und – los gehts!

 

A

 

Akzeptierend

Schon von Carl Rogers, von dem jeder ausgebildete Therapeut sicherlich schon einmal in seinem Leben gehört hat, können wir lernen, dass „Akzeptanz“ als eine der therapeutischen Grundhaltungen im therapeutischen Prozess mit Patienten unabdingbar ist. Der Patient steht im Mittelpunkt der Therapie – mit all seinen Ressourcen und auch Schwächen, die es für uns zu akzeptieren gilt. Ist der Therapeut in der Lage, den Patienten als Individuum zu sehen und zu akzeptieren, was er „mitbringt“, dann kann ein therapeutischer Prozess und eine Veränderung stattfinden, die der Therapeut dem Patienten ermöglichen will. Es geht nicht darum, unserem Gegenüber unsere Einstellungen und Meinungen aufzudrücken, sondern vielmehr darum, sein emotionales (Er)Leben und die daraus resultierenden Handlungen als Teil des ihm innewohnenden Charakters zu sehen und ihn als jenen zu betrachten, der er ist.

 

B

 

Behutsam

Ein behutsamer, vorsichtiger Umgang mit Patienten ist ein wichtiger Teil des Schaffens eines Vertrauensverhältnisses – besonders zu Beginn der Therapie. Dabei geht es sowohl um taktile Aspekte, die wir gerade innerhalb körperzentrierter Therapieformen vorfinden, als auch um einen sorgsamen Umgang mit seelischen und sozial-emotionalen Belastungen, die uns anvertraut werden. Es ist nicht ratsam, „mit der Tür ins Haus“ zu fallen und gleich innerhalb einer ersten Therapieeinheit jedes Detail des Menschen kennenzulernen – behutsamer ist es, sich die darstellenden Dinge mit Interesse anzuhören und damit umzugehen.

 

C

 

Chancen gebend

Wir sind keine Wunderheiler! Wir vollbringen kein Hexenwerk! Wir geben dem Patienten die Chance, sich selbst zu helfen und seine Lebensqualität zu verbessern, in dem wir es möglich machen, Erfahrungs- und Handlungsangebote wahrzunehmen und ihm somit die Chance geben, sich selbst besser kennenzulernen – mit sich und mit dem, was das Leben bereit hält.

 

 

Nächste Woche erwarten euch die nächsten drei Buchstaben –

seid gespannt!

 

 

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3 Review

  1. Aufmerksamkeit:
    Den Klient während des Gesprächs aufmerksam beobachten. Anhand der Körpersprache lässt sich geäußertes mit dem Gesagten vergleichen. Nonverbale Kommunikation kann sehr aufschlussreich sein.

  2. Liebe Maria,

    das ist ja eine echt geniale Idee von A bis Z Eigenschaften von einem guten Therapeuten zu sammeln. Ich finde es ist ein sehr wichtiges Thema, mit dem man sich als Patient und als Therapeut auseinander setzen sollte. Egal, ob man Psychotherapeut, Heilpraktiker, Logopäde, Kunsttherapeut ist – ich glaube es gibt diese gewissen Eigenschaften, die ganz global einen guten ~Therapeuten ausmachen. Und den Patienten steht es natürlich zu, sich zu erkundigen, sich eine eigene Meinung zu bilden und auch wählerisch zu sein. Immerhin ist man wirklich auf Hilfe angewisen, wenn man sich in (egal welche) Therapie begibt und möchte an eine gute Adresse gelangen.

    Sie haben bereits tolle Eigenschaften gefunden und zu A fällt mir noch achtsam ein.
    Achtsamkeit empfinde ich in der therapeutischen Arbeit als ein wichtiges Instrument. Ein guter Therapeut ist achtsam bei seinem Patienten, ist achtsam für eigene Prozesse und auch achtsam in dem gemeinsamen Moment. Achtsamkeit schärft die Wahrnehmung, die Feinfühligkeit und die Intuition des Therapeuten und befähigt ihn dazu, entsprechend auf seinen Patienten zu reagieren.

    Herzlichen Gruß
    Tatjana

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