Olé Olé Olé – wie Fangesänge die Gemeinschaft und das Individuum stärken

Fangesänge im Stadion schaffen Gemeinschaft, sind einfach strukturiert und reißen die Fans mit.

Wenn deine Ohren dröhnen, du dich inmitten lauthals singend und rufender, ähnlich gekleideten Menschen befindest, die wohl irgendwie in diesen Momenten alle zusammen gehören weißt du, dass du wohl gerade ein Fußballstadion besuchst. Noch nie zuvor führte mich mein Weg in ein solches – und dann auch noch in das größte Stadion Deutschlands: nach Dortmund zum BVB. Natürlich schaute ich ab und an Fußball im Fernsehen, besonders zur Europa- und Weltmeisterschaft. Doch so gigantisch wie einen realen Besuch im Stadion zu erleben, kann man es auf dem Bildschirm, der da mitten im eigenen Wohnzimmer das Spiel zeigt, nicht erleben. Ich setzte mich auf meinen Platz im Familienblock und schaute hinunter auf das Spielfeld, das plötzlich erschien wie ein kleines Puppenhaus, in dem gleich die Puppen dem Ball hinter her laufen. Das Westfalenstadion war voll, schon nur das Geplapper der Menschenmengen ließ die Geräuschkulisse enorm groß werden – da wusste ich aber noch nicht, was mich erwartete, als das Spiel tatsächlich angepfiffen wurde. Ich hatte Gänsehaut, hielt mir gleichzeitig doch manchmal auch die Ohren zu, war erstaunt von den Fans, wie sie gemeinsam für ihren Fußballverein einstehen und die tollsten Plakate bastelten, Fahnen hoch hielten und am meisten darüber, wie es die Leute im Stadion plötzlich ohne Scham schaffen, miteinander lauthals zu singen. Fangesänge – sie stecken an, reißen mit, sind einfach zu merken und schaffen ein Gemeinschaftsgefühl. Gerade als Musiktherapeutin spürte ich in diesen Momenten die Kraft von einfach strukturierten Rhythmen und Gesängen, die eine Verbindung zwischen Menschen schaffen ohne dass sie sich dabei peinlich angeschaut fühlen müssen. Ohne dass es darauf ankommt, Töne zu treffen und sich bewertet zu fühlen. Emotionen kochen und werden mit Liedgut angereichert, das den Nachbarn, den Gegenüber und all die anderen Fans ansteckt. Und obwohl mehrere tausende Personen miteinander diese bekannten Parts aus Schlager- oder Volksliedmelodien zum Besten bringen, braucht es keinen Dirigenten – es passiert einfach so. Fast ein bisschen magisch. Ganz klar ist, dass dies voraussetzt, dass eine Menschenmenge vorhanden ist, die gemeinsam Fan- und Schlachtrufe teilen wollen. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass schon in der Antike bei Massensportveranstaltungen gemeinsam gesungen wurde – und das ohne jegliche musikalische Vorkenntnisse. Und das ist der Punkt – abseits jeglicher Bewertungen, Vergleiche, Denunzierungen! Während wir im Alltag kaum einen spontan singenden Menschen erleben können, ist es die Gemeinschaft und die Verbundenheit mit dem Verein, der dies im Fußballstadion möglich macht. Um eine Ordnung aufzustellen, gibt es da einerseits Reaktionen wie Klatschen, Pfeifen oder rhythmisches Sprechen, andererseits Kurzgesänge und die eigentlichen Gesänge, hinter denen manchmal wirklich sehr viel Kreativität steckt. Ohne Berührungsängste und durch Stütze der Gemeinschaft ist es den Fans hier möglich, die Gemeinschaft zu stärken, dennoch ein Individuum sein zu können und Musik eine ganz andere Bedeutung zu schenken!

 

Das war ein Erlebnis für mich – mit Menschen, die Emotionen durch Rhythmen und Gesänge ausdrücken und einfach Spaß haben, sich musikalische Elemente zur Hilfe zu nehmen.

 

Hier noch einmal die wichtigsten Infos zu Fangesängen im Überblick:

 

  • Einfache und klar strukturierte Melodien kennzeichnen Fangesänge
  • Rhythmisches Sprechen, Klatschen und Pfeifen gehört ebenfalls zum Repertoire wie bekannte Volkslieder und Schlagerhits
  • Durch Rufen, Schreien oder Pfeifen werden aufgebaute Spannungen gelöst
  • Den bekannten Melodien werden neue Texte geschenkt
  • Gesungen wird aus Leidenschaft & aus eigenen Emotionen heraus
  • Fangesänge stärken das Gemeinschaftsgefühl und die Verbundenheit zum Verein
  • Es finden keinerlei Bewertungen der Stimme oder der vermeintlichen Musikalität statt
  • Schon in der Antike wurde auf Sportveranstaltungen gesungen
  • Achtung! Ansteckungsgefahr! 🙂

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