Wie ich Chips suchte und das Glück fand

Chips sind zwar nicht so gesund wie ein vitaminhaltiger Apfel, tun aber der Seele manchmal gut.

Ich sag es euch – heute war einer dieser Tage, an deren Abenden ich einmal mehr nachdenken muss, um meinen Lieblingsmoment der vergangenen Stunden zu erkennen, weil es einfach heute viel mehr von diesen unglaublich ärgerlichen Minuten gab, die wohl für manch einen gar nicht ärgerlich sind, aber ich wohl zu emotional auf bestimmte Dinge reagiere. Was ich eigentlich sagen will – es war soweit: mein seit Tagen eisern eingehaltenes Vorhaben, weder Nussnougatcreme noch Schokolade oder Chips in der untersten Schublade des Küchenschrankes versteckt zu halten, um die leckersten Dinge hervorzukramen, wenn mal wieder der Zeitpunkt naht, brachte mich heute zur Weißglut. Denn ich brauchte Chips. Jetzt. Sofort. Hier. Und nicht einmal der Vorratsschrank schenkte mir letzte Reserven. Ich hätte also vernünftig sein können und mich darüber freuen können, dass ich meinem Körper diese ungesunden Kalorien spare, meine Seele sah das aber irgendwie noch nicht so, sie wollte nach all dem Theater am Morgen und Zirkus am Abend weder einen vitaminhaltigen Apfel noch ein stilles Wasser, dessen Stille sich auf mein nervöses Gemüt übertragen solle. Also entschied ich mich dafür, meinen Gelüsten nachzugehen, setzte mich in mein Auto und fuhr tatsächlich wegen einer einzelnen Dose Chips in das Einkaufsgeschäft, das in unserer kleinen Stadt bis 22 Uhr geöffnet hat – schließlich war es schon um neun am Abend. Da passierte es – ganz oben auf dem Regal standen die Dosen mit ihren unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Nur der Geschmack, den ich bevorzuge, war ausverkauft – keine grüne Verpackung in Sicht. Nur rot, gelb, orange und all die anderen Farbtöne auf den Schachteln entdeckend sagte eine Stimme in mir „Na klar – passt ja auch heute super zum Tag.“. Ich entschied mich für die rote Dose, die esse ich ja auch gerne und ich wollte ja nicht wegen Chips einkaufen fahren und ohne Chips, dafür mit Apfel und stillem Wasser den Abend auf der Couch verbringen. Die nächste Hürde nach der Entscheidungsfindung, welche Sorte ich jetzt wohl wählen sollte bestand darin, durch ein gekonntes Hüpfmanöver, das ich schon durch viele Einkäufe in Läden, deren Waren ganz oben stehen und für mich als 1,54m-Frau nicht erreichbar sind, perfekt beherrschte, die Dose in meine Hände zu bekommen. Das klappte aber nicht. Ich kam nicht dran. Also wartete ich, bis ein freundlicher Mann sich in die Reihe verlief und mir dann helfen konnte. Auch wenn es nicht meine Lieblingssorte war, freute ich mich, dass ich nun meiner Seele etwas Gutes tun kann, in dem ich mal keine Kalorien zähle, sondern auf mein „Bauchgefühl“ (wie passend) hörte. Ich lief zur Kasse – da geschah es – auf einem Nutella-Angebots-Regal entdeckte ich eine einzige grüne Chipsdose. Ich traute meinen Augen kam und freute mich wie eine Schneekönigin. Ja – über diese unglaublich süchtigmachenden Knabbereien! Ich ging freudestrahlend auf sie zu und nun konnte ich noch glücklicher in den Abend starten und glaube immer noch daran, dass es ein Wink des Schicksals war.

 

Warum ich euch diese Geschichte erzähle?

 

Weil das Glück manchmal viel näher liegt und uns einfach an Plätzen begegnet, an denen wir es gar nicht vermuten. Wir suchen und suchen und wollen es finden und wenn wir dann aufgehört haben zu suchen und uns für etwas entschieden haben, das den Vorstellungen nah kommt, dann kommt es uns plötzlich besuchen. Für mich gilt doch auch ganz klar: Glück ist eine Frage der Entscheidung und des Daran-Arbeitens, um gleichermaßen zufrieden leben zu können und das Glück zu genießen. Doch manchmal meint es das Glück eben auch gut mit uns. Aber nur wenn wir es erkennen, zu schätzen wissen und es als Wink der Freude sehen, wird es uns auch immer mal wieder die kleinen Dinge des Alltag mit guten Gefühlen verschönern.

One Review

  1. Herrlich, Du ziehst auch aus “Bildern” Rückschlüsse aufs Leben. Das mache ich auch. Freut mich 🙂

    Werde nun immer mal bei Dir reinschauen, weil ich das nun weiß.

    Liebe Grüße

    Birgit

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