Der ganz normale Alltagswahnsinn

Auch am Frankfurter Flughafen herrscht der alltägliche Wahnsinn, der uns doch so oft fasziniert.

Als ich heute den Abend mit Freunden im Restaurant verbrachte und wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages einfingen, uns den ersten Wind der aufziehenden Nacht um die Haare wehen lassen haben und bei einem Glas Wein über das Leben philosophierten und darüber, weshalb sie schon seit zwei Wochen keinen Beitrag mehr auf meinem Blog zu lesen bekamen, kamen die Worte der am Nachbartisch sitzenden älteren Herrschaften wohl wie gerufen. Auch sie, 60 Jahre älter als wir, saßen beim gemeinsamen Glas Wein und sprachen über die Leichtigkeit des Seins, die verbunden ist mit viel Mühen und Strapazen, die das Leben wohl so mit sich bringt. Ich hörte mit männlich tiefer Stimme, dass „das früher alles noch nicht so verrückt gewesen sei wie heutzutage“. Erst überlegte ich, was genau sie damit wohl meinen könnten – gerade, weil ich denke, dass es auch diese chic angezogenen, das Leben genießenden, ins beste Alter gekommenen Menschenseelen nicht gerade einfach hatten. Bis ich verstand, dass sie den alltäglichen Stress, aber vor allem in beruflicher Hinsicht meinten. Auch sie hätten viel gearbeitet für ihren Erfolg, ihre Familie und ihre Träume – doch sie können sich nicht mehr vorstellen, im Jahr 2017 einen Beruf mit vollster Leidenschaft zu verfolgen und dabei „nicht vor die Hunde zu gehen“. Das ist eine Verallgemeinerung, ganz klar. Doch fand ich sofort die Verbindung zu meinem heutigen Blogbeitrag – den ersten, den ihr seit zwei Wochen wieder lesen könnt. Denn manchmal ist der Rucksack, den wir mit uns herumtragen, einfach so groß! Vielleicht ist es genau dieser alltägliche Wahnsinn, der mich in den letzten Wochen etwas ausgebremst hat – nämlich das Bestreben danach, genau diese Beiträge mit derselben Leidenschaft zu schreiben und nicht „auf Biegen und Brechen“ etwas zu schreiben, nur damit ihr etwas zu lesen habt. Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll – so oder so ähnlich heißt es doch. Viele Feiertage des Monats Mai, die mir viel Zeit für und mit meiner Familie schenkten, Gedanken an die bevorstehende Abschlussarbeit für den Abschluss als Musiktherapeutin, Sonnenstrahlen, die mich lieber ins Grüne gezogen haben und der alltägliche Wahnsinn, den wohl jeder von uns kennt. Doch ist es mir eine Herzensangelegenheit, diese Dinge mit euch zu teilen und ein Stück weit das Gefühl zu geben, dass auch in den Momenten des Lebens, in denen einfach mal Zeit für eine Ruhephase ist, kein Stillstand vorprogrammiert ist. Denn alles, was vorangehen soll, braucht Zeit, um Anlauf zu nehmen und um gut zu werden. Unser Alltag schenkt uns wahrscheinlich wirklich, so wie es der ältere Herr zu sagen vermochte, mehr Zeiten der Hektik, der Schnelligkeit und des Stresses als der Entspannung, Geduld und Ruhe. Doch sind es wir, die sich aussuchen, was wir daraus machen. Wir können entscheiden, was uns wichtig ist und wofür wir arbeiten, wofür wir uns Zeit nehmen und welche Phasen des Anlaufs wir benötigen, um etwas Neues zu bauen.

 

 

Und selbst der 87-jährige alte Herr, der davon sprach, dass unser Zeitgeist viel zu viel Stress zulässt, arbeitet noch ab und zu in seinem Job, dem er sein Leben lang nachging – mit mehr Ruhe, aber dafür mit Herz und Leidenschaft.

2 Review

  1. Ein wunderschöner Text, liebe Maria, und sooo wahr!!! Wir alle sollten uns mehr auf die schönen Dinge im Leben besinnen, uns mehr Zeit für Freunde und Familie nehmen und nicht im Alltag voller Stress versinken. Aber das ist eben nicht immer einfach!

    1. Vielen Dank! Das stimmt wohl – und es gibt so viele schöne Dinge, die wir vielleicht manchmal einfach nicht zu schätzen wissen!

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