365 Tage #Von verpassten Chancen, Lieblingsmomenten und dem Leben

Auf ein Jahr zurückblicken hilft uns manchmal, die Momente des Lebens einzufangen.

1 Jahr. 12 Monate. 52 Wochen. 365 Tage. 8760 Stunden. 525600 Minuten. Unendlich viele Sekunden.

 

 

So wie ein Jahr aus der noch so kleinsten Zeiteinheit besteht, ist es geprägt von den noch so kleinsten Momenten, die uns stärken und Kraft geben können, aber uns genauso schnell aus der Bahn werfen können. Manchmal ziehen Wolken auf, es blitzt und donnert und hagelt und schon jetzt, wenn ich mir mal vornehme, auf ein ganzes Jahr zurückzublicken, weiß ich gar nicht mehr, ob das Gewitter einst so stark über das Feld zog, dass es mich fürchtete und mich meine Decke bis über die Ohren ziehen ließ. Doch besinne ich mich auf viele kalte Tage, an denen mich Schauer überkamen, ich Gänsehaut vernahm und mich am warmen Ofen der Hoffnung aufhalten wollte. Und so schnell der Winter in mir und auf dem Land verging, kam der Frühling mit seiner Pracht vorbei gesaust. Er bringt Stürme mit und Meeresrauschen, er trägt mich über den warm werdenden Sand und lässt die Sonne in unser Herz scheinen. Der letzte Frost des Winters entfernt sich nicht nur von den Wiesen, sondern auch im Herzen. Doch ganz da oben – auf der Spitze des Eisberges bleibt er trotz Sonne manchmal liegen. Kennt ihr das? Vielleicht hat sich der Berg ja eine Schutzschicht für sich selbst gebaut, aus Schnee, Eis und Kälte – er macht es der Sonne ganz schön schwer, all das schmelzen zu lassen, was er auf seinem Haupte hütet. All das, was sich monatelang in diesen zwölf verdammt langen und doch zu kurzen Monaten angesammelt hat, ist manchmal von der schönsten Leuchtkraft allein nicht auszulöschen – da braucht es wohl mehr Juli-Sommertage als Regenschauer im April.

 

Was begegnet uns noch, wenn wir uns ein Jahr lang selbst begleiten? Wenn wir ein Jahr lang unseren Weg noch einmal in Gedanken miteinander gehen und mit all dem, was wir erfahren und erlebt haben? Ein Jahr steckt voller Überraschungen, aber vor allem voller Dankbarkeit darüber, jeden Morgen gesund aufstehen zu können, gerne zur Arbeit zu gehen, auch wenn an manchen Tagen der warmweiche Rücken des Partners uns gar nicht gerne aufstehen lassen will. 365 Tage bedeuten aber auch, um das eigene Glück zu kämpfen, es aber auch einfach mal so anzunehmen, wie es uns begegnet. Erwarten wir zu viel, werden wir wohl nur weniger dessen erfahren, was für die Menschen Glück bedeutet, die nur halb so viel erwarten wie wir. Ein lieber Blick, ein herzliches „Dankeschön“, freudvolle Momente in Liebe und Leidenschaft, abendliche Rotweintänze durch den Regen, sternenhimmelübersähte Nächte und genussvolle Spaziergänge.

 

Ein Jahr schenkt uns so viel Zeit, die wir nicht nutzen. So viel Mut, den wir uns selbst nicht eingestehen. So viel Glück, auf das wir noch länger warten, ohne es zu sehen. So unendlich viele Sternschnuppen, die wir genauso häufig verpassen wie Chancen. So unendlich viel Traurigkeit, die wir uns lieber verdrücken und unsere Seele damit belügen. Lieblingsmomente, von denen wir glauben, „da muss doch noch mehr sein“. Menschen, von denen wir denken, dass es wunderbar ist, dass sie in diesen Monaten, Stunden und Minuten eines Jahres in unser Leben getreten sind und wir sie nicht mehr gehen lassen wollen!

2 Review

  1. Ein sehr schöner, poetischer Post! Ich möchte sehr gerne öfter hier vorbei schauen 🙂
    Ganz viele Grüße, Jasmin

    1. Liebe Jasmin,
      danke fürs Lesen und Kommentieren! Schön, wenn dir die Worte gefallen. Ich lade dich herzlich ein, mehr Beiträge zu lesen! 🙂 Viele Grüße!

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