Warte(z)immer

Wie eine Uhr läuft auch unser Leben in einem bestimmten Rhythmus ab. Dennoch sollten wir es nicht damit verbringen, auf etwas zu warten. Denn wir verpassen so die Dinge, die wir eigentlich schon erleben!

Und du wartest.

Wie Immer.

Im Wartezimmer.

Deines Lebens.

 

 

 

Schon früh am Morgen siehst du, wie die Menschen schnell am Fenster vorbeigehen, das du von dem Wartezimmer, in dem du sitzt, beobachten kannst. Sie laufen schnellen Schrittes, fast rennend an den glasklaren Scheiben vorbei, die mit perfekter Sauberkeit glänzen. Sie haben Aktentaschen unter dem Arm, Kinder an den Händen oder im Wagen oder ein Fahrrad unter ihrem Körper, das sie noch viel schneller ans Ziel bringt. Neidisch schaust du ihnen hinter her, während du wie fest geklebt auf dem unbequemen Stuhl des steril, weißen Zimmers sitzt und wartest.

 

 

 

Während du wartest.

Im Wartezimmer deines Lebens.

 

 

 

Und links und rechts sitzen Menschen, die du beobachtest. Sie schauen traurig und grimmig, wirken krank und zerbrechlich, müde und schwach, gedankenüberladen und wutentbrannt. Hier ein Mann, der ungeduldig mit den Beinen wackelt, weil es ihm zu lange dauert, neben dir zu warten. Hier eine Frau, die jede Viertelstunde ihren Lippenstift neu auflegt, um auf den nächsten Geschäftstermin gut vorbereitet zu sein. Da sitzt du nun – schaust dich um, schaust ihnen zu, schaust sie an und sie schauen weg. Schauen an dir vorbei, als wärst du gar nicht da, als würden sie dich nicht sehen, weil sie dein freundlich, stummes Lächeln nicht erwidern wollen.

 

 

 

Und du wartest. Wieder.

Im Wartezimmer deines Lebens.

 

 

 

Die Köpfe nach unten, um die News auf dem Smartphone zu checken. Lieber ein „Hi!“ im Telefon, als ein „Guten Tag!“, wenn du den Raum betrittst. Nervös scrollen die Finger in den Nachrichten den Bildschirm auf und ab, um bestens informiert zu sein, was bei den anderen passiert. Ein aufmerksam, neidischer Blick auf all das, was du siehst. Was du von den anderen siehst, was sie erleben.

 

 

 

Während du wartest.

Im Wartezimmer deines Lebens.

 

 

 

Und wartest du weiter und schaust du nach den anderen, wo sind dann deine Neuigkeiten? Musst du es erzählen oder l(i)ebst du dein Leben auch für dich? Du bist eifrig dabei, ungeduldig auf etwas zu warten und verpasst dabei, dass es genau dein Leben ist, das gerade passiert. Worauf wartest du? Auf bessere Chancen und Möglichkeiten? Auf spannendere Erlebnisse, so wie die anderen sie erleben und mit ihren Fotos in sozialen Netzwerken posten? Was ist mit deinen Bildern? Sind sie nicht wertvoller, wenn du sie im Herzen trägst und eine Kiste öffnen kannst, in der du sie dir wieder in Erinnerung rufen kannst? Worauf warten die anderen? Auf die Veröffentlichung eines besseren Lippenstiftes, um noch top gestylter zum nächsten Geschäftstermin zu rennen, auf die neueste Kamera, um die schönsten Fotos zu posten, die sie bearbeiten, um noch schöner zu wirken? Auf die höhere Stelle im Job, um mehr als 50 Stunden im Büro zu sitzen?

 

 

Worauf wartest du? Warum denkst du immer noch, dein Leben ist ein Wartezimmer, in dem bald etwas passiert, das dir den Zauber bringt, auf den du hoffst? Schau dich um und schau dich an – siehst du den Zauber, den du bereits hast?

 

 

Das Leben ist JETZT und HIER! Es kann zu einem ewigen Warten werden, immer. Im Warte(z)immer! Doch muss es das?

 

 

Das Leben ist kein Wartezimmer, also warte doch nicht immer. Du verpasst das schöne Leben, wenn du wartest und wartest und wartest und wartest und …..

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