Goethes “Osterspaziergang” einfach mal anders!

Ein osterlich geschmückter Baum in Bad Klosterlausnitz lässt den Frühling beginnen.

Zur Osterzeit habe ich mit vielen meiner Patienten Goethes „Osterspaziergang“ gesprochen. Da kam mir doch der Gedanke, es ein bisschen umzuschreiben. Das Ergebnis könnt ihr nun lesen!

 

Viel Vergnügen damit und eine wunderbare Osterzeit!

 

 

Osterspaziergang eines Jugendlichen

 

 

Vom Smartphone befreit sind Kind und Kegel,

durch der Eltern strengen, durchdringenden Blick.

Für die Kids bedeutet das wahrlich kein Glück.

So ziehen sie sich, ohne ihr heiligstes Heiligtum

in langweilig-wirkende, dunkle Zimmer zurück.

Von dorther senden sie, schlecht gelaunt, nur

ohnmächtige Icons teufliger Hörner,

über die weltweite Internetflur.

Doch die Familie duldet keinen digitalen Kasten.

Überall regt sich wahrliches Leben,

alles will es mit Farbe beleben.

Doch an guten Gesprächen fehlts im Revier,

nimmt lieber gelb-lachende Smileys dafür.

 

 

Kehre dich um, sieh’ wie sie flehen,

auch ohne Smartphone nach ihnen zu sehen.

Aus dem hohlen, finstern Tor

dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern, dass das Handy so fern,

denn sie wollen das Osterfest feiern.

In familiärer Runde in ihren Gemächern,

an gemütlichen Restaurants- und Kneipentischen,

unter Waldesdächern,

zwischen Rinderrouladen und Sauerbraten.

Mit gemütlichem Kerzenschein in dieser Nacht

vergeht der Abend sinnlich und sacht.

 

 

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge

über die Zeit, die du hast, gar mächtig sich freut,

wie du lächelnde Gesichter

hast erweckt für dich heut,

und, mit Geistesblitzen überladen,

entgeht dir der digitale Wahn.

Nun, entlang von herrlichen Pfaden

blinken dich die Wunder der Natur strahlend an.

Und will es überhören, der Freunde Getümmel

die lieber sind noch die Handy-Lümmel.

Zufrieden darf ich hier nun sein:

Für ‚nen kurzen Moment ohne dich, Smartphone, mein!

 

Copyright by www.lauter-gedanken.de / Maria Grohmann

 

 

Und hier noch einmal das Original von Goethe:

 

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weisses.
Überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farbe beleben.
Doch an Blumen fehlts im Revier.
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

 

Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden.
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Strassen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.

 

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges ferner Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 

– Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter –

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