Spieletipp #1 Die freche Sprechhexe

"Die freche Sprechhexe" lässt sich für die logopädische Therapie in unterschiedliche Bereichen gut anwenden.

“Die freche Sprechhexe” ist ein Spiel, das sich vielseitig in den therapeutischen Alltag von Logopäden  und Logopädinnen einsetzen lässt. Durch den spielerischen Umgang mit Bildmaterial, das zum Reimen und Dichten anregt, werden außerdem der passive und aktive Wortschatz sowie die phonologische Bewusstheit angeregt und gefördert. Nicht nur innerhalb der Therapie kann dieses Spiel eingesetzt werden, sondern auch den Eltern von Patienten als Empfehlung an die Hand gegeben werden. Vielleicht ist das ja sogar noch eine Last-Minute-Ostergeschenk-Idee?

Viel Freude beim Lesen meiner Tipps & Tricks, wie ihr das Spiel innerhalb der Logopädie vielseitig anwenden könnt. Selbstverständlich sind das nur Anregungen, die ihr ausbauen, umbauen und kritisieren könnt!

 

 

Phonologische Bewusstheit

 

Reimwörter finden

 

Die lilafarbigen Karten werden auf dem Tisch verteilt und die passenden Reimpärchen gefunden.

 

Zusätzliche Spielidee:

 

Auf den Bildern liegt jeweils ein Puffreis oder ein Moosgummiplättchen, das das Kind mit dem Strohhalm ansaugen kann, wenn es zwei zusammengehörige Bilder gefunden hat

 

Reimergänzung

 

Zuerst werden mit dem Kind alle Bilder (mit lilafarbigem Rand) benannt, damit sicher gegangen werden kann, dass das Kind die Wörter und die Wortbedeutung kennt. Die lilafarbigen Karten werden in zwei Stapel sortiert – so gehört ein Bild des einen Stapels zu einem Bild des anderen Stapels (jeweils ein Reimpärchen). Eine Möglichkeit wäre, drei Karten eines Stapels dem Kind zu präsentieren und dann eine Karte des anderen Stapels vorzugeben, sodass das Kind ein Reimpaar finden kann. Gelingt dies den kleinen Patienten nicht gleich, ist die Möglichkeit einer Reimergänzungsübung in Erwägung zu ziehen.

 

 

Hier ein paar hilfreiche Sätze für die Reimergänzung:

 

 

Ich hoff’, beim Kochen fällt der Knopf nicht schon wieder in den … (Topf)

 

In der Küche steht die Pfanne direkt neben meiner … (Kanne)

 

Ich kaufe mir ein Buch, darin entdecke ich ein schönes … (Tuch)

 

Ich pflücke mit dem Daumen für den Kuchen heut die … (Pflaumen)

 

Der König mit der Krone möcht’ zum Mittag eine … (Bohne)

 

In meinem dunklen Keller, da steht ein alter … (Teller)

 

Die kleinen, frechen Tauben fressen gleich die … (Trauben)

 

Die klitschig-klebrig-große Kröte spielt ein Lied auf ihrer … (Flöte)

 

Vom Baum da fällt die Eule, ach, da bekommt der Junge eine … (Beule)

 

Durch mein schönes, buntes Haus rennt ´ne kleine, freche  … (Maus)

 

Auf der Weide steht die Kuh, doch an den Füßen trägt sie keinen … (Schuh)

 

Ich kneife gleich die Schlange mit der langen … (Zange)

 

Für die auditive Aufmerksamkeit kann noch zusätzlich die Aufgabe gegeben werden, den Reimsatz zu wiederholen!

 

 

Silbenstruktur erkennen

 

  • Die Silben der abgebildeten Wörter werden durch Silbenklatschen, Silbenhüpfen oder Silbenboote erkannt und Wörter, welche die gleiche Anzahl an Silben haben, werden zugeordnet

 

Auditive Aufmerksamkeit

 

  • Nachsprechen des Reimergänzungs-Satzes
  • Es wird eine beliebige Anzahl an Bildern herausgesucht, die die Therapeutin / der Therapeut dem Kind vorspricht – das Kind soll sich die Wörter merken  und wiedergeben
  • aus jeweils zwei oder drei Bildern kann eine kurze Geschichte erfunden werden, die dann nacherzählt werden soll

 

Hör-Merk-Spanne

Ich schrieb ein Gedicht, das von Hexen handelt. Das könnt ihr auch gerne am Anfang des Spiels einbauen, um das Spiel einzuführen:

 

 

Hexenbrei und Haferschleim

Hexenbrei und Haferschleim
Wo kann denn nur mein Besen sein?
Ich find ihn nicht, doch such’ schon lang
Ohje, mir wird gleich Angst und bang.

 

Hexentopf und Krötenfuß
Ich rühr den Dieb jetzt gleich zu Mus,
Bring lieber mir den Besen wieder,
Versteckst du ihn im bunten Gefieder?

 

Hexenreim und Spinnenbein,
Versteckt ist er im Wäldelein
Liegt unterm Busch im grünem Moos
Auf des Waldgeistes warmen Schoß.

 

Hexentrunk und Geisterbahn,
Von weitem kräht auch noch der Hahn.
Spricht vom kleinen Beselein,
Es ward gefunden, oh wie fein!

 

Hexenbuch und Kieselstein,
Der Besen ist jetzt wieder mein.
Es nahm ihn mit ein Menschlein gut,
Und bracht ihn mir mit voller Mut.

 

Copyright by Laute(r) Gedanken – Maria Grohmann

 

 

Sprachverständnis

 

  • Ausgewählte Bildkarten liegen auf dem Tisch, der Therapeut / die Therapeutin sagt dem Kind „Zeig mir ….!“ oder „Gib mir …“ oder „Leg den / die / das … auf den Tisch“
  • Einführung von Präpositionen: Die Karten werden im Raum an unterschiedliche Stellen verteilt. Bei großen Unsicherheiten kann dies erst einmal gemeinsam mit der Therapeutin / dem Therapeuten geübt werden, danach legt der Patient / die Patientin das Bild alleine nach Aufforderung an den jeweiligen Platz

 

 

Wortschatzbereich

 

  • Die Bildkarten werden nach semantischen Feldern sortiert – dabei können die Kategorien entweder von der Therapeutin vorgegeben sein oder gemeinsam überlegt werden (Ober- und Unterbegriffe)
  • Finden von drei Eigenschaften für das jeweilige Bild
  • Zuordnung Bild – Realgegenstand (das ist natürlich nicht bei allen Bildern möglich)
  • Zu vielen Bildern gibt es Lieder, Reimsprüche oder Gedichte, die man anwenden kann – z.B.
    •  Fingerspiel: „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen
    • Lied „Wenn der Topf aber nun ein Loch hat“
    • Lied „Old Mc’ Donald had a farm“ – Es ist möglich, die Tiere hier einzubinden

 

 

Satzbildung

 

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die Satzbildung zu fördern – und sicherlich fallen in diesem Bereich für jedes Kind unterschiedliche Schwerpunkte an. Hier bekommt ihr meine Vorschläge:

 

  • Aus zwei oder drei Bildern wird ein Satz gebildet
  • Was gehört zusammen?
  • Einkaufen: Es wird gemeinsam eingekauft (dabei können auch ungeeignete Bilder aussortiert werden) – es kann ein Parcours im Therapieraum aufgebaut werden, sodass an verschiedenen Stellen des Raumes unterschiedliche Dinge „angeboten“ werden können und dann eingekauft wird, z.B.
  • „Ich kaufe das Buch.“
  • Subjekt-Verb-Kongruenz „Du kaufst das Buch.“
  • Partizip II „Ich habe das Buch gekauft“

 

 

Mundmotorik

 

  • Es können Mundmotorikkarten als Kreise ausgeschnitten werden und in den Hexenkessel gerührt werden, nachdem sie imitiert wurden – am besten wäre es, Übungskarten zu nehmen, auf denen eine Hexe zu sehen  ist.
  • beim Rühren mit dem Zauberstab wird die Zunge angesaugt oder geschnalzt bzw. die Zunge an den Ruhepunkt gelegt und die Lippen geschlossen gehalten
  • kleine Moosgummiformen liegen auf dem Tisch und sollen mit in den Hexenkessel gerührt werden.  Diese haben unterschiedliche Farben, die es auch auf einem Würfel gibt – mit diesem Würfel wird dann die Farbe des anzusaugenden Moosgummiförmchens ermittelt und es wird auf den Kessel mit dem Strohhalm transportiert)

 

 

Artikulation

 

Je nach Art der Dyslalie kann „Die freche Sprechhexe“ innerhalb der Therapie von Sprachentwicklungsstörungen ein treuer Therapiebegleiter sein.

 

Hier sind meine Vorschläge:

 

  • je nach Störungsbild können die Karten nach ihren Anlauten / Inlauten / Endlauten sortiert und benannt werden
  • eine gewisse Anzahl an Bildkarten wird auf den Tisch gelegt – das Kind soll Karten mit einem bestimmten Laut heraussuchen und benennen (hiermit wird gleichfalls die Identifikation und Differenzierung zu anderen Lauten trainiert)
  • Der Hexenkessel wird geöffnet – in den Kessel dürfen nur die Bilder, die einen bestimmten Laut beinhalten. Die anderen Bilder kommen in eine Schale, die neben dem Spiel stehen kann
  • Beim Rühren können verschiedene Zischlaute auf Lautebene phoniert werden – z.B. /sch/ /s/ /z/ /f/ /w/ oder /ch1/
  • Beim Umrühren wird ein Zauberspruch gesagt, der angepasst ist auf den Laut, der geübt werden soll. Hier einige Beispiele:

 

    • „Schi Scha Schum – Charlotte rührt die Suppe um.“
    • „Ki Ka Kum – Karla rührt den Kessel um.“
    • „Fi Fa Fallera – Fionas fröhliches Suppenfest wird wunderbar.“
    • „Si Sa Su – ich seh’ der Hexe gerne zu.“
    • „Zi Za Zauberei – zum Essen ist der Zauberbrei.“
    • „Gedreht, Gerührt und abgeschmeckt – dann wird die Zauberei perfekt.“

 

 

Lese-Rechtschreib-Bereich

 

Für diese Idee werden nur die weißen Karten benötigt sowie Zettel und Stift. Das Kind soll das Paar finden, das sich durch die Änderung eines Lautes unterscheidet. (z.B. Tür und Tor – Welle und Wolle). Die Wörter können anschließend verschriftlicht werden, wodurch noch einmal die Phonem-Graphem-Konversion beübt wird und die veränderten Laute farbig gekennzeichnet werden.

 

Außerdem könnt ihr eine Wort-Bild-Zuordnungsübung gestalten, in dem ihr auf extra Streifen die Wörter schreibt, die die Kinder dann den Bildern zuordnen sollen. Dabei können gern phonematische Ablenker eingebaut werden.

 

Pluralbildung

 

Auf der Rückseite der Wörter, die zusammenpassen, werden bei korrekter Erfüllung der Aufgabe zwei gleiche Bilder sichtbar, deren Pluralform dann genannt werden kann (z.B. Die Fledermaus – Die Fledermäuse). Dabei können zusätzlich Pluralsätze gebildet werden, z.B. „Eine Fledermaus fliegt – zwei Fledermäuse … (fliegen)“

 

 

 

 

Und hier könnt ihr noch einen Blick in die Spielanleitung werfen:

https://www.ravensburger.de/spielanleitungen/ecm/Spielanleitungen/Die_Freche_Sprech_Hexe.pdf

 

 

 

Bei Interesse gibt es die Möglichkeit, “Die freche Sprechhexe” direkt über den Onlineshop von Ravensburger zu beziehen! Klickt dafür auf den folgenden Link:

https://www.ravensburger.de/produkte/spiele/lernspiele/die-freche-sprech-hexe-25003/index.html

 

 

 

 

Sicherlich habt auch ihr innerhalb eurer Praxiserfahrungen viele andere, unterschiedliche Ideen

für

„Die freche Sprechhexe“

entwickelt und entworfen! Wenn ihr mögt, teilt sie doch mit den

anderen Lesern und mit mir in den Kommentaren! Ich würde mich sehr freuen!

 

 

 

 

 

 

2 Review

  1. Tolle Ideen und schöne Reime! Danke! Sehr interessant zu lesen.
    VG Julia

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