Logopäden sollen ab sofort die Ergotherapie übernehmen!

Doppeltherapeut für Logopädie und Ergotherapie? Wohl eher nur ein Scherz am Rande!

In vielen Verhandlungen des deutschen Bundesverbandes für Logopädie e.V. (dbl) und des Bundesverbandes für Ergotherapeuten e.V. (BED) wurde in umfangreichen Diskussionen darüber gesprochen und sich geeinigt, dass die Ausbildung zur Ergotherapeutin / zum Ergotherapeuten sowie der Logopäden und Logopädinnen als einzelne Therapiedisziplin ab dem Jahr 2020 eingestellt werden soll. Diese Frage steht schon lange im Raum, da sich auch Ärzte nicht einig sind, für welche Therapiemaßnahme (besonders auf pädiatrischen Gebiet) sie ihr Budget an Verordnungen verwenden sollen. Zugrunde liegt die Betrachtung, dass Kinder derzeit solch umfangreiche Entwicklungsstörungen aufzeigen, die grob- und feinmotorischer, sozial-emotionaler, sprachlicher, sensorischer und kognitiver Art sind sowie in den meisten Fällen die Aufmerksamkeitsleistungen betreffen. Somit ist zu betrachten, dass durch diese Defizite die Schnittpunkte von Ergotherapie und Logopädie nah beieinander liegen und oftmals für Pädiater, Hausärzte, HNO-Ärzte, aber auch für Eltern die Transparenz verloren geht, welcher Therapie Priorität zugesprochen werden kann.

Folglich gibt es auch Veränderungen in den Ausbildungsmodulen des neuen Berufes, dessen Bezeichnung jedoch noch nicht ganz klar ist – “Ergologopäden” stand dabei im Raum sowie “pädiatrischer Sprach- und Alltagstherapeut”. Lassen wir uns überraschen! Für all jene Logopäden und Ergotherapeuten, die nach dem alten Modell ihre Ausbildung absolviert haben, wird es eine Zusatzausbildung geben, die dann dazu befähigt, in dem jeweils anderen Beruf zu arbeiten. Es wird davon gesprochen, dass es auch innerhalb des neu erschaffenen Berufes, wie auch jetzt schon so praktiziert, Spezialisierungen einiger Kollegen gibt.

 

Hier sind einige mögliche veränderte Ausbildungsinhalte aufgezählt:

 

  • Anatomie & Physiologie
  • handwerkliche Techniken, die therapeutisch umgesetzt werden können
  • HNO-Krankheitslehre sowie allgemeine Lehre der Pädiatrie
  • Vermittlung grobmotorischer, feinmotorischer sowie mundmotorischer Übungsprogramme
  • Alltagsnahes Kommunikationstraining mit Entwicklung von Sprechfreude, adäquater Mimik und Gestik sowie angepasster sprachlicher Methoden
  • Sprachentwicklungsstörungen & allgemeine Entwicklungsverzögerung
  • Soziologie & Psychologie

 

 

So klingt es sehr spannend, welche Neuerungen sich die Bundesverbände überlegt haben und durchsetzen wollen, um auch zukünftig Kosten zu sparen. Doch was heißt das für die Therapeuten?

Kann ein “Doppeltherapeut” noch spezialisiert sein auf sein Fachgebiet? Ist er dann vielleicht Fachmann für zu viele Dinge, in denen er hin und her schalten muss? Eine Ausbildung von drei Jahren würde wohl für diesen neuen Beruf nicht mehr reichen – es würde wohl einem Medizinstudium mit hohem Praxisanteil gleichen müssen, um die Qualität der Behandlungen und die Therapieziele hochwertig erhalten zu können.

Bis dahin erfreuen wir uns aber erst einmal weiterhin an unserem Beruf, den wir erlernt haben & erweitern unseren Horizont dennoch in den anderen therapeutischen Disziplinen durch die gute Zusammenarbeit mit anderen Therapeuten, die ihre Arbeit auf den einzelnen Feldern genau richtig machen!

 

 

Ich wünsche allen Lesern einen heiteren Start in den April!

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