„Das Swein grunzt ganz sön laut.“ – Europäischer Tag der Logopädie!

Zum Europäischen Tag der Logopädie ist es wichtig, Aufklärungsarbeit über den Beruf des Logopäden zu leisten.

Zum europäischen Tag der Logopädie wird es Zeit, mal einen Einblick darüber zu geben, was wir Logopäden eigentlich den ganzen Tag so machen. Ich las letztens einen Beitrag, in dem viele Sichtweisen anderer auf das Berufsbild des Logopäden in humorvoller Art und Weise in Bildern zusammengefasst wurde. Darin hieß es „Was andere denken, was ich in meinem Job tu“!

 

  • Meine Freunde denken, ich wäre der Spielexperte überhaupt. Ich habe es nämlich total gut – ich spiele den ganzen Tag mit Kindern und lerne dabei auch jede Menge lustiger Spiele. Um mich herum sind am Spielen Freude habende Kinder, die die Regelspiele gleich verstehen und wir 45 Minuten lang konzentriert mit mir spielen können.

 

  • Meine Mutter denkt, ich bin die Superheldin des Tages. Jeden Morgen schlüpfe ich in mein Superwoman-Kostüm und düse los, um die Welt und die Menschen zu retten.

 

  • Die Gesellschaft denkt, ich bin ein Therapeut im Kittel, der hauptsächlich in Kliniken zu finden ist und mit Handschuhen im Gepäck und Brille auf den Augen den Patienten erklärt, wie die einzelnen Laute zu bilden sind – mit Fachbegriffen um mich schmeißend.

 

  • Kinder denken, ich bin die lustige Sprechtante, die manchmal einem Clown im Zirkus ähnelt. Mit immer neuen Ideen, eindringlichen und lustigen Motivationshilfen sitze ich ihnen zwar nicht mit roter Clownsnase und buntem Hut gegenüber, aber versuche sie immer wieder in den Bann des Freudehabens und Motivierens zu bringen. Sicherlich fragen sich die Kids auch manchmal, warum denn die „Tante“ vor ihnen manchmal so komische Gesten und Bewegungen macht – tja, ab und an muss man den kleinen Rackern eben auch mit vollstem Körpereinsatz zeigen, worauf wir hinauswollen.

 

  • Was ich denke, was ich tu, ist anderen ein hohes Niveau und viele Möglichkeiten zur Selbsthilfe zu geben. Chancen, mit unterschiedlichen Methoden und Einfällen das Sprechen zu erleichtern, neuen Input zu geben und viel Fachwissen zu vermitteln ohne mit Begriffen um mich zu werfen, die kein Patient versteht. Was ich denke, was ich tu, ist anderen ein neues Gefühl für Sprache zu vermitteln und ihnen ihre Lebensqualität durch gezieltes Training, aber auch durch Annehmen der Situation des Patienten zu verschaffen.

 

  • Was ich wirklich tu ist in einem Berg voller Dokumentationsbögen sitzen, Arztberichte schreiben und Akten führen. So ist es nicht ganz, nur in dem Beitrag, den ich letztens las – aber selbstverständlich gehört es dazu und macht einen großen Teil der Arbeit eines Logopäden aus.

 

Logopäden behandeln Patienten mit Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen und sind Experten für Kommunikation. Nicht nur deshalb ist dieses Berufsbild eine nicht mehr wegzudenkende medizinisch-therapeutische und pädagogische Disziplin, die doch in manchen Regionen und bei einigen Patienten noch sehr unbekannt ist, gerade auch in der Bedeutung ihrer Wichtigkeit. Denn was wären die Menschen ohne die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren? Die Welt wäre still und ohne Farbe, sie wäre trist und ohne Klänge, sie wäre einsam und versteckt. So ist es wichtig, auch den Menschen, die das Sprechen und „ihre Sprache“ verloren haben, wieder in die Gesellschaft zu integrieren, in dem wir ihnen Hilfen und Möglichkeiten geben, sich auf ihre Art und Weise zu verständigen und eben auch manchmal als Therapeut einfach nur da sind, um ihren Seelennöten zuzuhören. Wir Therapeuten sind nicht nur da, um 45 Minuten lang Übungen streng und mit hoher Kontrolle auf Richtigkeit zu überprüfen, sondern auch, um zuzuhören und zu verstehen. Wir sind eine Vertrauensperson für viele Patienten und auch für die Angehörigen derer – denn wir sind die Fachleute in diesem Bereich, die Ansprechpartner, die offen für Fragen und Antworten sein sollten. Logopäden sollten aber auch emotional gut belastbar sein – denn nicht selten haben wir mit Wachkomapatienten zu tun, jungen Aphasiepatienten, die in unserem Alter sind, geistig behinderten und entwicklungsverzögerten Kindern oder auch palliativmedizinisch behandelten Menschen. Es ist deshalb gerade für therapeutische Berufe wichtig, an die eigene Psychohygiene zu denken!

Spannend wird der Alltag des Logopäden durch die generationsübergreifende Arbeit und die Abwechslung – kein Tag ist wie der andere, jeden Tag stellen wir uns neuen Herausforderungen, die es uns aber auch manchmal nicht einfach machen. Wir sind viel in Bewegung – laufen von einem Hausbesuch zum nächsten, bevor wir dann die Patienten in der Praxis empfangen. Laufen von einem Patientenzimmer zum nächsten, bevor wir auf eine andere Station gehen.

 

Und weil das Berufsbild so viele Behandlungsfelder innehat, liste ich hier einige von ihnen auf, um damit zum heutigen Europäischen Tag der Logopädie noch mehr Klarheit über diesen hauptsächlich von Frauen ausgeübten Job zu schaffen:

 

  • Schluck- und Fütterstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern
  • myofunktionelle Therapie bei mundmotorischen Fehlfunktionen
  • Sprachtherapie bei sprachentwicklungsverzögerten Kindern, z.B. bei geistiger Behinderung, bei allgemeiner Entwicklungsretardierung, bei Autismus-Spektrum-Störung, bei Kindern mit wenig sprachlichem Input
  • Sprachtherapie bei Schwerhörigkeit
  • Artikulationstherapie, z.B. bei Lispeln oder anderen Lautbildungsstörungen
  • Behandlung der Lese-Rechtschreib-Schwäche sowie von grammatikalischen Unsicherheiten und Defiziten
  • Behandlung der auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung
  • Behandlung von Mutismus als logopädisches aber auch psychosoziales Phänomen
  • Therapie der Redeflussstörungen wie Stottern oder Poltern
  • Aphasietherapie, z.B. nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma
  • Dysphagietherapie (Behandlung von Schluckstörungen), Verbesserung der Schluckeffizienz durch gezieltes Training der am Schlucken beteiligten Muskulatur und Beratung über geeignete Koststufen
  • Behandlung von Stimmstörungen, z.B. nach Operationen im Halsbereich oder bei funktioneller Dysphonie (Stimmstörung)
  • Behandlung der Dysarthrophonie – Sprechstörungen bei neurologischen Erkrankungen
  • Sprecherziehungs- und Stimmbildungsangebote

 

Ihr seht daran, wie vielseitig der Beruf des Logopäden ist und warum es so wichtig ist, viel mehr über ihn zu sprechen!

Allen Logopäden heute einen schönen Tag – lasst euch feiern und seid stolz auf euren Beruf! 

6 Review

  1. Auf den Punkt gebracht, schön geschrieben 🤗
    Allen Logopäden da draußen einen wundervollen Tag und Spaß in eurem Beruf ( oder doch lieber Berufung)

    1. Liebe Diana, danke fürs Lesen und Kommentieren. Und: es stimmt – irgendwie ist es mehr als “irgendein” Beruf! 😊

  2. Toller Beitrag und genauso ist es, wie beschrieben…. ich bin seit über 30 Jahre Logopädin (eigene Praxis) in Kooperation mit einer Stroke Unit – jeder Tag läuft anders und die Bürokratie wird leider immer mehr….

    1. Hallo Annette, danke fürs Lesen und deine Erfahrung, die du in so langer Zeit als Logopädin sammelst. Als Inhaberin einer eigenen Praxis ist natürlich die Dokumentation noch ein mehr in Zeit anspruchnehmender Faktor, da hast du recht. Aber zur Freude am Beruf macht uns Logopäden eben die Arbeit mit unseren Patienten.

      Danke fürs Kommentieren!
      Für weitere Beiträge kannst du mir auch gerne auf Facebook oder Twitter folgen.

      Viele Grüße,
      Maria

  3. Ja auch da hast du Recht- ich bin mit Leib und Seele Logopädin- Auf FB folge ich schon 😉
    Schöne Zeit!

    1. Oh, danke 🙂 in diesem Sinne: eine schöne Woche!

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