“Musik ist die einzige Sprache, in der man nicht lügen kann”

Kalenderblatt des 09. Februars 2017 - "Musik ist die einzige Sprache, in der man nicht lügen kann."

Gerade deshalb ist es wohl wichtig, mal außerhalb der Notenlinien zu schauen und den Blick darauf schweifen zu lassen. Denn in den auf Papier geschriebenen schwarz gefüllten oder ungefüllten Punkten mit oder ohne Strichen nach oben stehen nicht unsere Gefühle, sondern nur das, was die Instrumentalisten mit Perfektion spielen sollen und vor allem: Können. Ich bewundere jeden, der es kann und sich in vollster Konzentration dem hingibt, was er mit Leidenschaft erfüllen mag. Die Konzentration und Aufmerksamkeit, die an einem Abend, in einem solistischen Moment oder einem kompletten Konzert über den Musiker und das Orchester schweben, sind fast schon spürbar, wenn wir in ihre Gesichter schauen und ihren Körper beim Spielen beobachten. 

Und dann gibt es noch die andere Seite der Musik – die Improvisation und das Spielen von kleinen und großen, lauten und leisen, hölzernen und metallenen Instrumenten, die mehr zulässt als das, was auf Papier geschrieben ist. Nämlich genau das, was das Zitat des heutigen Kalenderblattes für uns bereithält. Spielen wir das, was wir fühlen und können wir unseren Geist frei musizieren lassen, lügt das klingende Tongeflecht nicht, sondern entsteht als Produkt unseres Körpers und unserer Gedanken, unserer Herzensangelegenheiten und unseres emotionalen Erlebens. Es gelingt uns, unsere inneren Vorgänge nach außen zu bringen. Und das ist es, was die Musiktherapie schaffen kann – sie hat das lohnenswerte nonverbale Mittel “Musik” für sich als Eigenstellungsmerkmal, auch wenn mit verbalen Mitteln über die geschehenen Dinge innerhalb der Therapiesituation gesprochen wird, um Wahrnehmungserfahrungen an sich selbst und in der Interaktion mit anderen noch einmal nachzuspüren. Das, was dabei passiert, wenn wir uns darauf einlassen, was uns unser ICH damit schenkt und sagen will, wird nicht lügen. Nur ist es wichtig, wahrnehmungsfähig für sich selbst zu werden – ein Prozess, der es lohnt geduldig verfolgt zu werden.

Werdet wahrnehmungsfähiger für euch selbst, in dem ihr euch ein Plätzchen sucht, an dem ihr ungestört auf euch hören könnt. Achtet auf euren Körper und darauf, was er macht – wie schwer Arme oder Beine sind, wo sich Verspannungen breit machen, was unsere Muskeln im Gesicht machen. Hört auf eure Gedanken und Gefühle – auf das, was euch begegnet. Seid neugierig auf warme und kalte Empfindungen, die euch durch den Körper schießen und auf Geräusche eurer Wohnung, eures Platzes, an dem ihr euch befindet. Bekommt mehr von euch selbst mit und spürt hinein, welches Gefühl mit dem gerade auftauchenden Gedanken verbunden ist.

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