Das passt wie die Faust aufs Auge!

Redewendungen und passende Bilder liegen auf dem Tisch.

Neulich ging ich die Straßen einer Kleinstadt entlang, als ich schnellen Schrittes zur Arbeit lief und kaum noch daran glaubte, eine Begegnung wie diese miterleben zu dürfen. Ich erfreute mich an ihr, weil sie die Bedeutung unseres ungemein wertvollen Sprachschatzes genau auf den Punkt brachte.

Die Tür hinter sich schließend, hörte ich ein „Ach Mist – jetzt hab’ ich doch das blöde Geld vergessen“ – ich musste fast ein bisschen in mich hineinlachen, weil mich die im roten Mantel, mit Hut bekleidete Dame mit ihrer schnellen, etwas hektisch wirkenden Art doch ein wenig an mich erinnerte. Ich sah, wie sie in ihrer übergroßen braunen Ledertasche nach ihrem Schlüsselbund suchte, um die Haustür wieder aufzuschließen. Sie fand ihn nicht. Sie stellte ihre Tasche mitten auf der Straße ab, durchwühlte noch einmal alles, bis sie letztendlich die Suche aufgab und an das Fenster ihrer (Gott sei Dank) im Erdgeschoss liegenden Wohnung klopfte. Sie musste mehrmals klopfen – ich konnte ihre Augen, die sie wohl schon mehrfach verdrehte, während sie nebenbei wirklich amüsant fluchte, schon förmlich herausspringen sehen. „Na endlich“ – seufzte sie raunend, als ihr Mann ihr das Fenster öffnete und fragte, was denn passiert sei, dass sie so impulsiv gegen das Glas pocht. Sie erklärte ihm, dass sie das Portemonnaie im Flur vergaß, dann ihren Schlüssel in der ganzen Aufregung nicht fand und sie ihn bittet, ihr die Moneten für den Einkauf jetzt hier am Fenster zu geben. Ich beobachtete eine Weile das amüsante Paar und erfreute mich an dem neckischen Lächeln des Mannes, der scheinbar solche kleinen Tollpatschigkeiten seiner Liebsten zu genüge kennt. Mit dem Geld über das Fensterbrett lehnend, gibt er seiner Frau einen Kuss und verabschiedet sich mit den Worten „Jetzt schmeiß’ ich schon das Geld zum Fenster hinaus“!

„Das Geld zum Fenster hinauswerfen“ – DAS war mein Stichwort. Den ganzen Tag ließ mich diese heitere Situation nicht los und vor allem ließ mich nicht los, über die Bedeutung und Häufigkeit von Redewendungen und Sprichwörtern innerhalb unserer Alltagskommunikation nachzudenken – wie oft verwenden wir sie? Wie oft sagen wir „Ach du grüne Neune“, „Da liegt der Hase im Pfeffer“ oder „Da bleibt kein Auge trocken“? Ich glaube, würden wir zählen und uns einmal bewusst werden lassen, wie oft wir schon mit purer Selbstverständlichkeit statt einer ewigen Umschreibung eine dieser Reichtümer als Art Wortspielerei mit der deutschen Sprache verwenden – wir hätten sicherlich eine lange Strichliste. Und das ist gut so – in ihnen steckt viel Wahrheit, sie erzählen von Erfahrungen und sind auch immer wieder in modernen Medien und Literatur zu finden, auch wenn sie sich im Laufe der Jahre stark verändert haben.

Schaut doch mal selbst, führt eine Strichliste, macht euch eine Notiz ins Handy oder hört mal den anderen beim Reden zu! Und wenn ihr Lust habt, lasst mich wissen, welche Redewendungen euch über den Weg gelaufen sind! Ich freue mich, von euch zu hören!

Jetzt werde ich aber erstmal Abwarten und Tee trinken – schließlich habe ich euch jetzt aufs Auge gedrückt, mir mit Rat und Tat mit euren Kommentaren zur Seite zu stehen.

Haltet also nicht lange hinter’m Berg mit euren Ideen, wenn es euch in den Fingern juckt und ihr etwas auf dem Kerbholz habt. Ich werde es an die große Glocke hängen, wenn ihr die Beine in die Hand nehmt und das Zeug dazu habt, Redwendungen zu erhaschen, die sogar ein Blinder mit Krückstock sieht.

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